"Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken" Samuel Johnson

Schlagwort: Philatelistische Aspekte zur Zeitgeschichte (Seite 1 von 2)

Ist eine Geschichtsverbesserung bei den Melsunger Stolpersteinen notwendig?

Die Stolpersteinseite der Melsunger erregt Anstoß bei einem Marburger Historiker

Hintergrund: Im Internet bereit gestellte Texte werden global wahrgenommen. Sie können danach dank Google & Co. nicht mehr völlig aus der Welt geschafft werden, selbst wenn die Betroffenen und die Zensur das wünschen.

zensur-neindankeDie persönliche Meinung des Autors ist: Unsere Presse- und Meinungsfreiheit könnte mit Datenschutzargumenten bald unter die Räder kommen. Einen Artikel in der Netzpolitik zufolge könnten selbst ernannte Geschichtsverbesserer demnächst versuchen, eigene Interessen durchzusetzen: Per Gesetz dürfen missliebige Suchergebnisse nicht mehr angezeigt werden. Man muss nur eine passende Begründung für das Recht auf Vergessen konstruieren. Das ist schleichende Zensur: Was bei Google und Wikipedia nicht mehr auftaucht ist praktisch nicht existent. Die jüngere Generation schaut kaum noch in Bücher und papierene Archive. Alles wird dank der Suchmaschinen sofort im Internet bereitgestellt. Bücherstudium ist ziemlich out…

Der reduzierte Blick birgt Gefahren, denen man mit Vorgaben begegnen möchte. Es kommt die Frage: Wo jedoch liegt die Grenze tolerierbarer Veröffentlichungen?

In Deutschland darf veröffentlicht werden, was mit unserer Gesetzeslage vereinbar ist. In anderen Ländern ist das Gleiche strafbar. Hier darf man Satire im Stil von charlie hebdo schreiben: „2014: Russland besetzt die Krim und die Ostukraine, 2015: Griechenland ist pleite und konfisziert deutsche Immobilien, 2016 Griechenland interniert die letzten deutschen Touristen, um Lösegeld in Milliardenhöhe für deren gesunde Heimkehr zu fordern…“

Derartige Spekulation ist zulässige Satire. Man kann allenfalls Gegendarstellungen erwirken, z.B.: „2016 wird kein deutscher Tourist Griechenland betreten, weil das Außenministerium rechtzeitig zu Weihnachten 2015 eine Reisewarnung veröffentlicht hat. Griechische Ziele können danach nur noch per Umstieg in Moskau oder Simferopol (Krim) angeflogen werden… “

Als verantwortlicher Journalist, Redakteur und Freund guter Realsatire schätze der Autor die liberale deutsche Praxis und will mit diesem Beitrag konsequent sein. Bilden Sie sich eine persönliche Meinung zum nachfolgend geschilderten Sachverhalt. Sachliche Entgegnungen aus der Leserschaft werden gerne aufgegriffen, um sie zu veröffentlichen:

Die Replik beginnt mit den Fakten auf der Stolpersteinseite: Wenn man über das Suchformular der Stolpersteine Melsungen den Namen Reinhardt eingibt, erhält man genau vier Treffer.

Es sind Berichte von Zeitzeugen über einen Akademiker, der sich mit den Nazis einließ. Die Zeugen haben das Handeln und die Person des Dr. Reinhardt aus dem zeitlichen Kontext geschildert. Den Augen- und Ohrenzeugenberichten steht Archivmaterial gegenüber. Das bewegte einen Historiker aus Marburg die folgenden Zeilen an die Redaktion zu schreiben:

Hallo,

das Eintragen ins Gästebuch funktioniert bei Ihnen nicht. Daher wähle ich diesen Weg. Mir scheint, Sie verharmlosen die Rolle des glühenden Hitler-Verehrers und Antisemiten Dr. Heinrich Reinhardt (*28.3.1894). Lesen Sie mal, was er im Melsunger Tageblatt 1933-1943 verbreitete! Auszüge daraus in dem Buch von Rolf Schmidt über die Gau- und Kreisleiter, S. 490-493.

Beste Grüße

Um der „Sache Dr. Reinhardt“ nachzugehen wurde Dieter Hoppe um Stellungnahme gebeten. Er kennt die Archive und einige Personen, die besagten Dr. Reinhardt noch persönlich kannten.

Seine Stellungnahme ist im Wortlaut ab Seite 3 dieses PDF-Dokumentes veröffentlicht. Ein farbig markierter Einschub wurde am 2. April 2015 ergänzt. Er beginnt auf Seite 9

Kollaboration im Osten – Schwere Nachkriegskost von Dieter Hoppe

wl2Hintergrund: Vor dem ersten Weltkrieg war Europa multikulturell. Die Volkswirtschaften waren vernetzt und die Herrscher der größten und mächtigsten Reiche waren verwandt und verschwägert. Es gab weder Kommunismus noch Nationalsozialismus, die Siedlungsgebiete die Völker waren noch nicht ethnisch gesäubert. Polnische Menschen siedelten sich als Arbeiter in den Industriegebieten Deutschlands an. Deutschlands Wirtschaft blühte bis zum Kriegsausbruch. Die Arbeitslosenquote war die niedrigste in Europas. Der europäische Handel hatte eine Vernetzung deren Grad erst nach 100 Jahren wieder übertroffen werden sollte.
Deutsche hatten einen guten Ruf. Sie lebten schon seit Jahrhunderten friedlich im Baltikum, in Russland und vielen anderen Staaten Ost- und Südosteuropas. In fast allen Staaten gab es jüdische Bevölkerungsanteile. Konflikte zwischen den vielen Völkern gab es zwar schon vor 1914, aber sie waren seltener als heute. Dann brach die Katastrophe aus, in deren Folge Bolschewismus und Nationalsozialismus nicht nur die Landkarten veränderten, sondern auch Millionen Menschen in Lagern ermordet wurden, wenn man der falschen Gruppe zugehörte.

Dieter Hoppe hat in vielen Beiträgen seine Sicht der Dinge geschildert, wie sie sich mit Fakten belegen lassen. Im ca. 2 Stunden langen Videokommentar bezieht er sich (unten) auf die von der ARD gesendete Dokumentation „Wlassow – Zweier Teufel General“ und das Schicksal der Kosaken, die infolge der erlittenen Verfolgungen durch Stalin auch zu den Hilfswilligen der Nazis aus dem Gebiet der Sowjetunion gehörten. Der Film liegt vor, er ist aber nicht frei zugänglich. Der Hintergrund kann mit Beiträgen aus „ZEIT-online: Zweier-Teufel-General“ und aus der “Wikipedia: Lienzer Kosakentragödie” beleuchtet werden.
Das von Dieter Hoppe überreichte Video musste in 2 Teile zerlegt werden, weil es sonst nicht auf dieser Plattform hochgeladen werden konnte.

 

Germania est delenda

churchillViele Erinnerungen kamen mir beim Lesen des Beitrages Germania est delenda [32 Seiten, pdf, 5 MB] von Dieter Hoppe. Es sind lange zurückliegende Eindrücke von den Geburtstagsfeiern meiner Großeltern. Mein konservativer Großvater Albert war nicht nur genau 32 Jahre jünger als der letzte deutsche Kaiser. Er hatte als Schüler an seinem Geburtstag, der auch Kaisers‘ Geburtstag war, immer schulfrei. Mehr als 20 Jahre saß mein Opa für eine zentrumsnahe Bürgerliste im Gemeinderat eines Waldecker Ortsteils. Am 27. Januar kamen zum feiern einige Dorfhonoratioren und Lehrer zusammen, deren politischer und geschichtlicher Fachsimpelei ich interessiert zuhörte: Was wäre, wenn der 1. Weltkrieg nicht im Versailler-Vertrag geendet hätte und Hitler mit seinem Nationalsozialismus keine Chance gehabt hätte? Den Mächtigen aller Nationen ging es vor 100 Jahren vordergründig um die Ehre, aber im Hintergrund um wirtschaftliche Interessen (Imperialismus). Weil die Folgen eines Krieges im Sommer 1914 falsch eingeschätzt wurden, spielten die Regierenden mit dem Feuer und verloren mehr oder weniger alle dabei – bis auf die USA, die gestärkt aus dem Konflikt gingen.

Rudolf Augstein hat vor 16 Jahren einen Artikel zur Vorgeschichte des 1. Weltkrieges geschrieben. Wie auch Dieter Hoppe kommentiert er den oben als Beitragstitel gewählten Slogan der Saturday Review. Dort stand schon im August 1895, also fast zwei Jahrzehnte vor dem 1. Weltkrieg: “Wir Engländer haben bisher stets gegen unsere Wettbewerber bei Handel und Verkehr Krieg geführt. Unser Hauptwettbewerber ist heute nicht mehr Frankreich, sondern Deutschland.”

Krieg war seit der Antike ein Mittel, wirtschaftlich erfolgreiche Mitbewerber auszuschalten. Cato rief deshalb zur Zerstörung Karthagos auf. Churchill ist ein Nachfolger im Geiste in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er erkannte „Es geht nur darum, wer der Stärkste ist.“
Das scheint auf den ersten Blick ähnlich wie bei einer Fußball-WM zu sein. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass solcher Ehrgeiz die Rachegefühle der Verlierer stärkt und der Grund ist, dass Millionen Menschen zu Tode kamen, weil man die Niederlage in der in Versailles beschlossenen Form nicht hinnehmen wollte. Ein demütigendes Kriegsende ist oft der Grund für den nächsten Krieg. In der Ukraine und im Nahen Osten scheint diese Kausalität noch nicht angekommen zu sein.

Beschäftigung mit angeblichem Geschichtsrevisionismus

Zusammenfassung und Gedanken zum Schriftwechsel mit Dieter Hoppe, einem Zeitzeugen und kritischen Analytiker der Geschichte des letzten Jahrhunderts.
Ausgangspunkt dieses Beitrages ist das rechts eingebundene Video und die unliebsame Folgen des 100 Jahre zurückliegenden 1. Weltkrieges und die Gefahr, dass aus der Geschichte nichts gelernt wurde.
SOPWolfgang Schäuble hat vor einigen Wochen das Vorgehen von Putin bei der Annexion der Krim mit dem von Hitler bei der Annexion des Sudetenlandes verglichen. Für die von Schäuble verglichenen Machthaber ist der Traum von alter Größe ein Grund, sich verlorene Gebiete zurück zu holen: In weiten Gebieten der Ukraine leben russisch-stämmige Menschen, die teilweise ins großrussische bzw. post-sowjetische Reich zurück möchten. Ähnlich war es nach dem 1. Weltkrieg als das Deutsche Reich und das Habsburger Reich (Österreich-Ungarn) auseinanderfielen bzw. große Teile mit deutschstämmiger Bevölkerung von den Nachbarländern annektiert wurden, ohne dass dort völkerrechtsmäßige Abstimmungen durchgeführt wurden. Im Prinzip waren die von den Siegern geschaffenen Grenzen unnatürlich, weil die Übergänge der Nationalitäten bis dahin fließend waren. So wie noch heute in den umkämpften Gebieten der ehemaligen Sowjetunion oder Ex-Jugoslawiens. Ethnische Säuberungen sind und waren schon immer die Folge von derartigen Grenzziehungen. Neu geglaubte Stärke der vormals Unterlegenen verleitet dann dazu, geschehenes Unrecht mit neuem Unrecht und Gewalt zu beantworten. Das was Schülern im Geschichtsunterricht angeboten wird, ist ein auf wenige Schwerpunkte reduziertes und interpretiertes Extrakt. Geschichte und Geschichtsschreibung wurde und wird solange es sie gibt immer von Siegern dominiert. Die Sieger aus den unzähligen Kriegen haben die Möglichkeit, unliebsame Quellen für die Nachwelt zu zerstören oder zumindest zu relativieren, so dass die von ihnen gewünschte Deutung mehr Gewicht hat. Solche Versionen werden zur Wahrheit und über Schulbücher zur anerkannten Lehre. Widerspruch ist ab diesem Zeitpunkt Revisionismus.
Wenn brisante geschichtliche Fakten genannt und offenkundige Parallelen mit der Gegenwart auffallen, ist der Vergleich nur Privatpersonen erlaubt. Der Spiegel berichtete über Schäubles Vergleich: “Ukraine-Krise-Schaeuble-vergleicht-Putins-Krim-Plaene-mit-Hitlers-Politik” Er bekam den Ärger seiner Chefin zu spüren: Krim-Krise-Schaeubles-Putin-Hitler-Vergleich-sorgt-fuer-Wirbel

Die Regierungschefin weiß wohl, dass Ihr Finanzminister Recht hat, aber sie weiß, dass man in leitenden Positionen schweigen sollte, um nicht des Revisionismus verdächtigt zu werden. Erst im späteren Ruhestand darf man sich derartige Vergleiche in der Biografie erlauben. Der oben im Video abgebildete ehemalige Bundeswehrgeneral und Fachmann für Rüstungsfragen und Auswertung von Archivmaterial braucht derartige Rücksichten nicht mehr zu nehmen. Er kann als Rentner nicht mehr gefeuert werden. Der Ex-Generalmajor der Bundeswehr ist 1939 in Weimar geboren und wird mit dem Attribut „geschichtsrevisionistisch“ belegt. Dieses Attribut nutzen die Protagonisten des herrschenden Geschichtsmainstreams, um sich ernsthafte Auseinandersetzungen mit unangenehmen Wahrheiten zu ersparen. Polemik und Oberflächlichkeit statt echter Analyse ist überhaupt ein Problem in den Nicht-Naturwissenschaften wie der Geschichte.

Material, welches die jüngeren Generationen nicht in Schulbüchern finden, sieht man in den folgenden Verlinkungen im Rahmen von philatelistischen Sammlungen und Kommentaren. Dieter Hoppe hat mir einige historische Sammlungsstücke zu den Grenzziehungen mit und ohne Volksabstimmungen nach dem 1. Weltkrieg angeboten, die ich hiermit vorab veröffentliche:

Fazit: Viele Grenzen in Europa sind unnatürlich entstanden. Die Entstehungsgeschichte der Grenzen sollte jetzt im zeitlichen Abstand vieler Jahrzehnte in ihrer vollen Komplexität dargestellt werden.

Niemand sollte versuchen, Osteuropäische Grenzen gewaltsam zu ändern, weil das den Weltfrieden bedroht. Wer in der zusammen wachsenden EU von einem Hof oder einem Haus am Mittelmeer, den Karpaten oder dem Baltikum träumt, der soll nicht mit bewaffneter Eroberung drohen, sondern in passenden Immobilienportalen schauen und die Finanzierung mit seiner Bank besprechen.

Rudis Lebenserinnerungen – Teile 2 bis 4

Wenn man sich an sein 5. Lebensjahr zurückerinnern kann, dann sind die Jüngsten mit Kriegserfahrung jetzt 70 Jahre alt und die, welche als letztes Kinderaufgebot zu den Flakhelfern und für den Volkssturm eingezogen wurden, sind alle über 80.
Das ist die Generation des aktuellen Papstes vom Jahrgang 1927, der als Jugendlicher Flakhelfer eine BMW-Fabrik bei München verteidigen sollte.
Zeitzeugen sterben bald aus. Es bleiben neben den Denkmälern noch viele Wochenschauberichte und das, was von der Kriegsgeneration niedergeschrieben wurde.
Dieter Hoppe hatte schon vor einigen Wochen die „Frühe Kindheit bis zur Militärdienstzeit“ seines Bruders Rudi im Teil 1 aus dessen Biografie zusammengestellt.
Heute war ich wieder zu Besuch bei Hoppes und habe die Teile 2 bis 4 zur Mitnahme in die Redaktion auf den Memorystick übertragen, um sie hier unverändert zu veröffentlichen.
Seine Veröffentlichungen im Internet machen Dieter Hoppe in fernen Ländern bekannt. Zurzeit fasst er eine Biografie eines Melsunger Polizisten für einen Namibischen Kleinverlag zusammen, welcher die deutsche Kolonialherrschaft dokumentiert.
Als „Internet-Verleger“ muss ich nicht wie die klassischen Verleger mit Papier haushalten – Sie erhalten alles ungekürzt.
Der Teil 2 zu Bruder Rudis Lebenserinnerungen umfasst die Zeit des 2. Weltkrieges und der Kriegsgefangenschaft.
Der Teil 3 handelt vom Leben in der Sowjetischen Besatzungszone/DDR und der Flucht in die Bundesrepublik Deutschland einschließlich der Berufstätigkeit und dem Ruhestand in der Bundesrepublik
Der Teil 4 besteht aus Nachbetrachtungen.
Dieter Hoppe stellte in Gesprächen fest, dass vielen Menschen aus den jüngeren Generationen die vorkommenden Begriffe und Zusammenhänge in den Aufzeichnungen seines Bruders völlig fremd sind. Er hat deshalb farbig gekennzeichnete Erläuterungen eingefügt
Den „Wahlzettel“ aus dem Jahr 1938 und die Briefmarken aus der Nachkriegszeit gibt es auch in den Aufzeichnungen.

Rudis Lebenserinnerungen


„Ich glaube, dass sich im Einzelschicksal die Geschichte einer Zeit am sinnfälligsten widerspiegelt. So kann vielleicht die Darstellung meines Lebenslaufes zur Veranschaulichung, unseres Jahrhunderts beitragen.“ Rudolf Hoppe (1914-2007) Weiterlesen

Der Freiheit eine Gasse – das komplette Inhaltsverzeichnis ist fertig

majdanekDie in der Melsunger Altstadt angebrachte deutsch-russische Gedenktafel für einen russischen Oberst aus den Befreiungskriegen war Anlass für eine am Ende mehr als 180 Seiten lange Abhandlung zum Begriff der Freiheit. Dieter Hoppe verbringt seit Jahren seinen Ruhestand nicht mit Müßiggang sondern mit der akribischen Suche nach Details zur lokalen und zur deutschen Geschichte. Immer wieder lädt er mich (Konrad Rennert) zur Entgegennahme neuer Veröffentlichungen ein. Seine Frau, die ihn bei seinen Forschungen unterstützt, hat bei unseren Treffen Kaffee und Kuchen vorbereitet. So kann man die anstehenden Themen gut besprechen, bevor dann im Arbeitszimmer des Autors der mitgebrachte Memorystick zum Abtransport des neuen Materials zum Einsatz kommt. Die abgebildete Briefmarke ist eines von vielen Details in seiner ursprünglich als Vortrag geplanten Abhandlung. Das Inhaltsverzeichnis mit Verlinkungen zu allen vier Teilen von „Der Freiheit eine Gasse“ finden Sie nachstehend. Weiterlesen

Der Stifter der Bedriagagedenktafel und seine Motive

Im 4. Teil seiner Reihe „Der Freiheit eine Gasse“ beleuchtet Dieter Hoppe den Stifter der Tafel zum Gedenken an den gefallenen russischen General der Befreiungskriege gegen Napoleon. Als Auftraggeber kommt wahrscheinlich nur der jüdische Besitzer des Warenhauses Juda Levy in Frage. Er ließ die Gedenktafel im hundertsten Jahr nach den Geschehnissen der Befreiungskriege des Jahres 1813 anbringen.
Alte Postkarte vom Markt
Auf einer alten Melsunger Postkarte ist die Tafel noch nicht zu sehen. Es gibt beachtenswerte Details in der Berichterstattung: Weil der julianische, von orthodoxen Christen verwendete Kalender mit den russischen Angaben damals 12 Tage gegen unseren (gregorianischen) Kalender zeitversetzt war, gibt es zwei Datumsangaben, die fälschlich als vom 16. bis 28. September 1813 interpretiert wurden. Tatsächlich verging wohl nur ein Tag und nicht zwölf von der Verwundung bis zum Tod Bedriagas. Interpretierbar ist auch die Formulierung „…bei der Einnahme Kassels für die Freiheit Preußens“: Kassel war damals Hauptstadt Kurhessens und kam erst 1866 zu Preußen. Der Stifter war Preußen offensichtlich zugeneigt, weil jüdische Mitbürger dort besser eingegliedert und geachtet waren. Der Vorabdruck des 4. Teils ist hier als pdf-Dokument (56 Seiten, 10 MB) verknüpft. Die komplette Ausarbeitung “Der Freiheit eine Gasse” wird im Laufe des Sommers von Dieter Hoppe vervollständigt und abgeschlossen.

Wilhelm Tell und Arminius – Heckenschützen oder Freiheitskämpfer?

Briefmarke aus Dieter Hoppes Archiv“Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht.” So steht es in Friedrich Schillers “Wilhelm Tell” (IV, 3). Tell lauerte dem habsburgischen Landvogt Gessler im Hinterhalt an einem Hohlweg auf und hat ihn dann mit der Armbrust erschossen. Das Land wurde von einem Tyrannen befreit. Für die Schweizer ist er seitdem ein Freiheitsheld, für die damaligen Machthaber in der Region war es dagegen feiger Mord aus dem Hinterhalt.
Ähnlich gespalten ist man in der Beurteilung von Arminius, einem Angehörigen aus germanischem Adel, welcher zunächst im römischen Heer eine Karriere machte und sich dann gegen seine zivilisatorisch überlegenen römischen Förderer entschied. Er brachte den römischen Legionen aus dem Hinterhalt in den germanischen Wäldern eine empfindliche Niederlage in der sogenannten Varusschlacht bei. Aus Sicht der Römer war es Verrat, aus Sicht der Germanen war er ein Freiheitskämpfer, welcher sich dem Machtstreben der Römer entgegenstellte. Rom baute den Limes und Germanien wurde von weiteren Expansionsgelüsten verschont.
Werden die heutigen muslimischen Attentäter im Nahen und Mittleren Osten einen ähnlichen Ruhm im Kampf gegen Besatzer erlangen? Für die westlich geprägten Menschen sind es feige, hinterhältige Mörderbanden, welche archaische Strukturen einführen wollen und Freiheit und Demokratie ablehnen. Wir werden wohl nicht mehr erfahren wie das zukünftige Historiker dieser Länder beurteilen.
2000 Jahre nach der berühmten Schlacht in Germanien erweitert Dieter Hoppe seine Ausarbeitung „Der Freiheit eine Gasse“ um den 3. Teil: pdf-Dokument (46 Seiten, 11 MB)
Die Varusschlacht liegt 2000 Jahre zurück. Dazu gibt es jetzt bei YouTube einen Beitrag:
Armin Maiwald, einer der Erfinder der bekannten Kindersendung „Die Sendung mit der Maus“ erklärt, warum die Angriffstaktik der Germanen in der Varusschlacht so erfolgreich war.

Das Wort Guerilla kommt aus dem spanischen und bedeutet Kleinkrieg

Briefmarke aus Dieter Hoppes Archiv
Dieter Hoppes Veröffentlichungen im Internet wachsen und als Leser seiner Ausarbeitungen erhält man stetig neue Informationen. An vielen Orten hat er recherchiert und Interessantes zusammengestellt.
Erschienen einem Teil der 68er Generation sogenannte Freiheitskämpfer wie Che Guevara als antiimperialistische Helden, so waren es etwa eineinhalb Jahrhunderte zuvor die Freiheitskämpfer, welche sich gegen die Herrschaft des französischen Imperators auflehnten und oft im Kampf oder durch Hinrichtung das Leben lassen mussten. Ein spanischer Adeliger, Francisco de Xavier Mina (1789-1817), führte die Kampfmethoden des modernen Kleinkrieges (Guerilla) ein, welche auch heutzutage noch manche Großmacht zur Aufgabe ihrer Herrschaftsansprüche verzichten lassen (Vietnam, Afghanistan, Irak), will sie nicht den eigenen Ruin in Kauf nehmen.
Gestern war ich mal wieder beim Kaffee bei Dieter Hoppe und seiner Frau. Wir plauderten über seine stetig wachsenden Projekte und am Ende nahm ich seine neuen Forschungsergebnisse auf einem Memorystick mit, um sie hier zu veröffentlichen.
Die neue umfangreiche Ausarbeitung finden Sie im Anhang als pdf-Datei mit einer Länge von 56 Seiten. Es ist der Teil 2 der Reihe “Der Freiheit eine Gasse“: Die Freiheitskriege gegen Napoleon offenbarten die Zerrissenheit der Regionen in Mittel- und Südeuropa. In unterschiedlichen Allianzen kämpften deutschsprachige Bayern gegen Tiroler und rheinische Vasallen gegen Preußen.
Der bereits erschienene 1. Teil wurde ebenfalls überarbeitet und ergänzt und wird demnächst bereitgestellt. Die gestern erstellte Kopie von Teil 1 war auf Memorystick leider nicht mehr abrufbar. Der 3. Teil wird in seiner vorläufigen Version in den nächsten Tagen hier erscheinen.
pdf-Dokument mit Teil 2 (56 Seiten, 12 MB)

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