"Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken" Samuel Johnson

Kategorie: Geschichte (Seite 1 von 11)

Jesus Christus als historische Persönlichkeit

Von Dieter Hoppe wurde lange nichts mehr an dieser Stelle veröffentlicht. Heute kam sein Beitrag „Jesus Christus als historische Persönlichkeit“.  Es ist seine bearbeitete Zusammenstellung interessanter Quellen.
Dieter Hoppes Beitrag regt zu weiteren Recherchen an. In der Wikipedia sind einige der genannten Belege unter der Seite https://de.wikipedia.org/wiki/Außerchristliche_antike_Quellen_zu_Jesus_von_Nazaret zu finden.
Beide Links zeigen: Auch außerhalb der biblischen Quellen gibt es Texte, welche die Existenz von Jesus belegen. Nur das äußerliche Erscheinungsbild von Jesus ist bisher nicht belegbar. Darstellungen am Kreuz oder auf Ikonen und Gemälden belegen die Fantasie der Künstler, die Abhängigkeit der Künstler von den Auftraggebern und die Frömmigkeit in der Entstehungszeit dieser Werke, aber sonst nichts.

Das Foto von oben lässt mit Hilfe von Technik einen Darstellungsversuch erahnen. Es zeigt frühchristliche Malerei, aber auch diese Abbildung wurde erst Jahre nach der Kreuzigung angefertigt.

Wer hat beim Bomben zuerst angefangen?

Mit dem Einsatz neuer Technologien kommen auch neue Bedrohungen. Die Entwicklung von Flugzeugen ermöglichte den Bombenkrieg. Hundert Jahre später ermöglicht das Internet den Cyberkrieg. Regeln für neue Kriegsformen kann man formulieren, aber niemand kann deren Einhaltung kontrollieren und garantieren.
Die Bombardierung unverteidigter Städte, Gebäude und Wohnstätten verstieß schon im 1. Weltkrieg gegen das Kriegsvölkerrecht. Darauf beruft sich Dieter Hoppe in seinem Beitrag “Anfänge des Luftkrieges im 1. Weltkrieg – Genfer Konvention und Haager Landkriegsordnung (HLKO)”. Der Herausgeber dieses Blogs (K. Rennert) hält jede Bombardierung von Zivilisten bewohnter Städte für völkerrechtlich nicht akzeptabel.
Schon wenige Tage nach Ausbruch des 1. Weltkrieges starben belgische Zivilisten durch deutsche Bomben auf Lüttich. Sie wurden noch von Hand aus dem Luftschiff “Zeppelin Z. VI” abgeworfen. Belgien war zu Beginn des Krieges ein neutraler Staat und wurde von Deutschland überfallen, weil man hoffte, die gegnerischen Streitkräfte Frankreichs und Großbritanniens über diese Flanke zu besiegen. Demzufolge leisteten die Belgier Widerstand und verteidigten Lüttich. Bomben auf Lüttich zu werfen war nach dem Kriegsvölkerrecht kein Verbrechen. Monate später fielen dann auch erste Bomben auf deutsche Städte, die kein Frontgebiet waren. Durch ihre Bahnverbindungen boten diese Städte kriegswichtige Infrastruktur. Sie waren wichtige Knotenpunkte für Waffen- und Soldatentransporte auf dem Weg zur Front. Gründe für Angriffe oder einen Kriegseintritt lassen sich immer herleiten. Zivilisten aus unbeteiligten Staaten werden fast immer von Kampfhandlungen bedroht sein. Die Versenkung des Passagierschiffes Lusitania mit US-Zivilisten an Bord brachte die USA zum Kriegseintritt und verminderte damit die Siegerchancen der Mittelmächte im 1. Weltkrieg.
Seit dem Altertum war die Geschichtsschreibung immer die der Sieger. Den Verlierern wurde fast alles genommen, Kriegsverbrechen an ihnen waren üblich und blieben ungesühnt. Das ist heutzutage nicht mehr möglich, weil zu viele Beweise beseitigt werden müssten. Vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal landen jedoch nur Verlierer, weil man die Sieger nicht einfangen und vor Gericht stellen kann.
Dieter Hoppes neueste Abhandlung deutet an, wie Menschen seiner Generation über die Kampfhandlungen und deren Aufarbeitung denken. Die später Geborenen haben mehr zeitlichen Abstand zum Geschehen.
Die Regeln des Kriegsvölkerrechts sind Auslegungssache. Erlaubtes Töten von Feinden oder Verbrechen? Das wird auch bei den kommenden Cyberkriegen die Frage sein. Wer mit der Unterbrechung von Strom-, Wasser- und Energieversorgung den Feind bekämpft, wird dabei auch die lebenswichtigen Apparate für Frühgeborene und Kranke in den Kliniken ausschalten.
Einzig eine starke Welt- und Wertegemeinschaft könnte Kriegstreiber wirksam bestrafen. Das Recht des Stärkeren und nicht das Recht scheint derzeit die Oberhand zu gewinnen. Russen besetzen die Krim, Chinesen besetzen Inseln, die ihnen nicht gehören, in Syrien werfen viele Seiten Bomben, die hauptsächlich Zivilisten töten, heimatlos machen und nach Europa migrieren lassen.
Die Verwerfungen durch Flüchtlingsströme sind auch für uns eine Bedrohung, weil als deren Folge unser stabiles Parteiengefüge zerstört wird. Menschen hören verstärkt auf Populisten mit ihren scheinbar einfachen Lösungen. Populistische Strömungen des Nationalismus erhalten Zulauf.
Ein Attentäter löste den 1. Weltkrieges aus. Jeder ausländische Attentäter bringt den Rattenfängern im Lande neuen Zulauf. Das ist schlecht für Europa. Am Ende des 1. Weltkrieges gab es in Europa nur Verlierer deren neu entstandenen nationalistisch gesinnten antidemokratische Bewegungen unmittelbar zum nächsten Krieg führten. Mit Schuldzuweisungen lassen sich heutzutage leichter Wahlen gewinnen als mit den Visionen von Europäern wie Emmanuel Macron oder den Visionen der verstorbenen Politiker wie Robert Schuman, Willy Brandt und Helmut Kohl.

Standardsoftware für lebenslanges Lernen in virtuellen Räumen

Auf dieser Website sind viele Beiträge von Dieter Hoppe verfasst.
Sein Jahrgang, das heißt 1936, dürfte im Internet jedoch eher selten aktiv sein.
Bei den bald aus dem Berufsleben ausscheidenden Jahrgängen könnten die im Video präsentierten Einsatzmöglichkeiten der MoodleCloud interessante Optionen bieten:
Die Mobilität von Senioren nimmt altersbedingt ab, ihr Wunsch, sich aktiv auszutauschen oder sich an Projekten und Gesprächen zu beteiligen jedoch nicht. Da kommen die kostenlosen bis preiswerten MoodleCloud-Lösungen als SaaS-Lernplattform mit integrierter Videokonferenz genau zur rechten Zeit.
Zwei Drittel der europäischen Hochschulen und die Mehrzahl der weiterführenden Schulen setzen die in Australien entwickelte OpenSource Software ein. Was sich für die junge Generation bewährt hat, kann auch der älteren Generation nutzen, z.B., um sich in abgeschlossenen Räumen auszutauschen und gelegentlich eine Videokonferenz zu veranstalten. Um die Installation und Wartung einer SaaS-Lösung muss man sich nicht kümmern. Es kommt nur noch auf die Zusammenstellung passender Inhalte und Gruppen an. Bei den in die MoodleCloud integrierten kostenlosen Konferenzsystemen können jedoch nur bis zu 6 Personen gleichzeitig teilnehmen.
Der Autor hat selbst vergleichbare Software für die Schulungen Arbeitssuchender genutzt. Bis zu 27 Teilnehmern im Alter von 28 bis 63 waren in Spitzenzeiten aus allen Regionen Deutschlands im virtuellen Konferenz- bzw. Seminarraum. Seine MoodleCloud wurde als Repositorium während und nach dem Unterricht genutzt: Anmeldename eu Kennwort 1st
Für Moderatoren können Konferenzen anstrengend werden, wenn es bei Teilnehmern an Disziplin mangelt. Eine Teilnehmerzahl von 12 war völlig stressfrei und brachte am Ende auch das beste Prüfungsergebnis: Alle haben die Prüfung zum Computerführerschein ECDL bestanden. Bei 27 Teilnehmern gab es eine Durchfallquote von fast 20%.
Bei Senioren wird es keinen derartigen Prüfungsstress geben und die Videokonferenzen werden mit wenigen Teilnehmern gut gelingen. Statt sich als passiver Zuschauer nur „Maybritt Illner“ und ähnliche Talksendungen anzusehen, kann man aktiv an thematisch festgelegten Gesprächsrunden teilnehmen. Man wird dabei den Wunsch haben, einen guten Eindruck von geistiger Frische zu hinterlassen – und das ist gut so. Wer rastet, der rostet.
Lehrer wie der erwähnte Dieter Hoppe können dann ihre Arbeit allen Interessierten persönlich vorstellen und darüber diskutieren ohne das persönliche Umfeld verlassen zu müssen.
Wenn sich Seniorenbeauftragte einen Eindruck bei Test-Konferenz verschaffen möchten, können sie sich an den Autor wenden.

documenta kassel – not the same procedure as every five years

Straßensperren gegen Terroristen-LKW

1972: mein erster Besuch einer documenta. Dazu lese ich in der zugehörigen Retrospektive: …Trivialrealismus (Kitsch), Werbung und Warenästhetik und die „Bildnerei der Geisteskranken“. Für einen 18 jährigen Schüler war das Kunsterlebnis verstörend und beeindruckend: Offensichtlich konnte man als Gestörter oder Geisteskranker Werke erschaffen, für die manche begüterten Menschen viel Geld zu zahlen bereit waren.
Anfang Juni 2017, d.h. 45 Jahre nach diesen ersten Erfahrungen, hat man sich daran gewöhnt, dass viele moderne Werke gaga sind. Verstörend ist eher, was um die Orte der mutmaßlichen Kunst zu sehen ist. Kassel versucht bei der documenta, das WIRKLICH VERSTÖRENDE als nicht VERSTÖREND erscheinen zu lassen.

Doppelte Betonsperren vor dem Staatstheater engen die Fahrbahn ein.

Was aussieht, als hätten örtliche Bauunter-nehmen ein paar Paletten Ziegelsteine, Bordsteine oder Pflasterplatten an Baustellen hinterlassen, ist in Wahrheit der Versuch, die vielen hundert religiösen Fanatiker davon abzuhalten, mit Fahrzeugen an zentralen Plätzen Kassels Massenmorde an Ungläubigen zu verüben. Jeder LKW könnte wie in Berlin, Nizza oder London zu ihrer Waffe werden. Wenn die LKW-Anmietung nicht klappt, könnte es passieren, dass man sich mordend den Laster beschafft. Die möglichst unauffällig ins Stadtbild drapierten Hindernisse sollen die Reduzierung möglicher Opfer im Falle eines documenta-Attentats bewirken.
Die Werke des städtischen Bauhofs rütteln die Gemüter mehr auf, als die ausgestellte Kunst: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/superkunstjahr-2017/unbehagen-an-der-kunst-documenta-in-kassel-15052732.html
Fazit: Die Werke der documenta selbst entsprechen wahrscheinlich den üblichen Erfahrungswerten der Besucher. Aufrüttelnd sind allenfalls die nicht im Programmheft genannten Begleiterscheinungen zur Terrorismus-abwehr. Folglich sollten bei der d15 im Jahr 2022 Bagdad, Damaskus und Kabul als Partnerstädte in Frage kommen. – Oder das vor 45 Jahren bei den olympischen Spielen von Terroristen heimgesuchte München.

Moral Bombing – Anmerkungen eines Zeitzeugen

Ein Lancaster Bomber wird im September 1942 für den Angriff auf Bremen vorbereitet
By Daventry B J (F/O), Royal Air Force official photographer [Public domain], via Wikimedia Commons

Dieter Hoppe, Jahrgang 1936, hat als Schüler in Halle an der Saale die Bombardierung europäischer Städte miterlebt. Auf 26 Seiten finden Sie seine Anmerkungen zu den damaligen Geschehnissen: https://heiligenberg-blog.de/wp-content/uploads/2017/04/Hoppe-Luftkrieg-Moral-Bombing.pdf

Kriegserfahrung prägt für das ganze Leben. Seine Generation wird für die Zerstörer der Städte und Kulturschätze keine Zuneigung empfinden können. Das gilt für Freund und Feind aus damaliger Zeit gleichermaßen.
Spätestens ab dem 3. Kriegsjahr hatten die Bomben das Ziel, die Moral der Zivilisten im Feindesland zu schwächen. Die Schwächung der Moral sollte zum Aufgeben des Kampfes zwingen.

In einem Fall scheint diese Logik aufgegangen zu sein: Der Abwurf der Atombombe auf Hiroshima hat wahrscheinlich hundert-tausenden Soldaten das Leben gerettet. Die Inseln Japans wären nicht so leicht zu erobern gewesen wie Mitteleuropa. Die Zerstörung Nagasakis zwei Tage später war nach der Machtdemonstration überflüssig. Man hätte den weiteren Einsatz der verheerenden Waffe androhen können. Zur Zeit des Endkampfes in Europa, war die Bombe glücklicherweise noch nicht fertig.
Alle an der Einsatzentscheidung beteiligten Personen sind schon lange tot. Die Schuld an Kriegsverbrechen kann nicht vererbt oder aufgerechnet werden. Wenn das so wäre, gäbe es nie eine Versöhnung. Heere aus Nachbarländern haben immer wieder gegen die Menschlichkeit verstoßen. Grausamkeiten und sinnlose Zerstörung gab es allerorten.
Aktuell beobachten wir aus sicherer Entfernung die Zerstörung von Kulturschätzen, den Einsatz von Giftgas und die folgende Reaktion mit Fernwaffen auf Befehl des US-Präsidenten. Das Aufrechnen geht weiter.
Am Ende des Zeitartikels https://www.zeit.de/politik/ausland/2016-05/geschichte-holocaust-hiroshima-verdraengung-gedenken-vergangenheitsbewaeltigung-5vor8 wird ein russisches Sprichwort genannt.
“Wer auf den alten Missetaten herumreitet, der verliert ein Auge; wer sie vergisst, verliert beide Augen.”
Dem kann ich als Herausgeber dieses Blogs uneingeschränkt zustimmen.

Die Anmerkungen von Dieter Hoppe sollten Sie unter dem Aspekt lesen, dass er durch persönliche Kriegserfahrung geprägt ist. Wie schön wäre es, wenn die heutigen Kinder im Nahen Osten in 70 Jahren von ihren schlimmen Kindheitserinnerungen sprechen und ihre Enkel dann sagen: Das ist interessant aber nur noch Geschichte. Die Kriegsverbrecher und Kommandeure von damals sind alle tot. Wir leben jetzt friedlich mit allen Nachbarn und Bürgerkriege sind vorbei. Die Europäer haben diese Erfahrung schon 70 Jahre früher machen dürfen.

Dieter Hoppe über Luthers Einstellung zu den Juden

In der Wikipedia findet man die Behauptung: „Luthers Aussagen zu Juden sind nicht rassistisch, aber konstant antijudaistisch.“

Der Beitrag eignet sich ebenso wie das nebenstehende Video zum Einstieg in die Stellungnahme von Dieter Hoppe zu einem Zeitungsartikel. Er erwähnt den jüdischen Konvertiten Antonius Margaritha. Der Sohn eines Rabbiners war politischer Berater christlicher Herrscher für antijüdische Maßnahmen. Konvertiten werden oft kritisch betrachtet, weil sie übereifrig sind.

Zu Beginn der Neuzeit erwies sich die Erfindung der Buchdruckerkunst für die Juden als verhängnisvoll, weil als Folge des Massendrucks die bösartigen Schmähschriften im Stil des Margaritha eine hohe Verbreitung fanden. Der Zugang zu vielfältigen Informationen war Mangelware. So ist nachvollziehbar, wie auch bedeutende Menschen wie Luther durch Propaganda radikalisiert werden können. Die gedruckte Hetzpropaganda war in Bezug auf ihren Wahrheitsgehalt betreffend der Juden kaum zu verifizieren. Dadurch erlag er der Versuchung, die Vertreibung der Juden und die Zerstörung von Synagogen zu befürworten. Zur Tötung von Andersgläubigen hat er allerdings noch nicht aufgerufen.
In der evangelischen Kirche gibt es keine Heiligen. Luther war der Reformator, den es damals bedurfte, um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Die großen christlichen Glaubensgemeinschaften distanzieren sich heute von Entgleisungen und Verirrungen früherer Jahrhunderte. Sie leben friedlich miteinander und vermeiden Hetze gegen andere Religionen. Heute wirken gefährliche Konvertiten in anderen Religionen. Statt hetzerischer Flugblätter verbreiten sie ihren Hass via Internet und suchen so global nach Mitstreitern für die böse Sache. Geschichte wiederholt sich.

  • “Alle Religionen müssen ihre Fähigkeit stärken, mit Schattenseiten in ihrer Geschichte und Aggressivität in der Gegenwart kritisch umzugehen. Ich habe aber den Eindruck, dass diese Fähigkeit bei islamischen Organisationen bisher nicht sehr ausgeprägt war.” – Wolfgang Huber, Interview im “FOCUS” vom 22. November 2004, veröffentlicht bei EKD.de

Lizenzhinweis: Der anhängende Beitrag von Dieter Hoppe als auch diese Einleitung von Konrad Rennert unterliegen der Creative-Commons-Lizenz-Namensnennung-Keine Bearbeitung (CC-BY-ND). Sie dürfen also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/de

Dieter Hoppes ungekürzte Beiträge

Auf der Website der Melsunger Stolpersteine sind die Beiträge und Erinnerungen kurz und knapp gehalten. Im Zweifel oder bei Meinungsverschiedenheiten wird ein Beitrag nicht veröffentlicht oder Veröffentlichtes verschwindet wieder. Der kleinste gemeinsame Nenner muss bei Vereinen sein, wenn man keine Mitglieder in seinem breiten Spektrum verärgern oder verlieren will. Veröffentlichungen auf dem Heiligenberg-Blog müssen sich im Rahmen unseres Grundgesetzes bewegen. Eine unzensierte Vielfalt macht Websites lesenswert. Die von Dieter Hoppe zusammen getragenen Fakten und Dokumente ergänzen lokale Begebenheiten, die so nicht in den üblichen Geschichtsbüchern stehen. In diese Kategorie von Veröffentlichungen fallen auch die fünf unten genannten Beiträge.InterzonenReisegenehmigung

Hintergrund: Dieter Hoppe hat schon vor vielen Jahren mit Nachfahren und Angehörigen Melsunger Bürger jüdischen Glaubens gesprochen und fand unter anderem interessante Relikte zum Paket- und Postkartenversand in die Konzentrationslager. Mit einem Kollegen aus der Schulzeit hat er jetzt begonnen, auch in Englisch über das Thema zu publizieren, weil es in Amerika auf Interesse stößt.
Über die folgenden Links finden Sie seine Beiträge, die von ihm veröffentlicht wurden und jetzt nicht mehr oder nur noch schwer zu finden sind:theresienstadt
* Überleben /Leben und Überleben eines…) (13 Seiten) (Erstelldatum 2005)
* Postverkehr mit Theresienstadt, Päckchen und Pakete, 3 Seiten (Erstelldatum 19.4.2008)
* Theresienstadt , 18 Postkarten aus Theresienstadt…, 20. Mai 1943 bis 23. Sept. 1944 (Erstelldatum 15.4. 2008)
* Interzonenreisegenehmigung für Christoph Heerdt, 2 Seiten (Erstelldatum 23.5.2005)
* Eine letzte Diskriminierung der Deportierten und Ermordeten, Verslawung dt. Eigennamen, 4 Seiten (Erstelldatum 2005)
Folgende drei Sätze hat Dieter Hoppe bei der Lieferung noch ergänzt (sein Wortlaut)
„Bei jedem Beitrag sollte zu erkennen sein, wann er entstanden ist. Da ich aber alles an den ersten angehängt habe, steht auch das Jahr des Entstehens nämlich 2005 darunter. Deshalb habe ich in allen weiteren Beiträgen das korrekte Jahr im Kopfbereich noch einmal richtig angegeben.“

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Das folgende Zitat zum Lesen und Schreiben passt in den Zusammenhang und ist eine Aufforderung, sein Wissen aufzuschreiben, so wie Dieter Hoppe es schon oft getan hat:

“Kannst du lesen, so sollst du verstehen; kannst du schreiben, so musst du etwas wissen; kannst du glauben, so sollst du begreifen; wenn du begehrst, wirst du sollen; wenn du forderst, wirst du nicht erlangen; und wenn du erfahren bist, sollst du nutzen.”

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), deutscher Dichter der Klassik, Naturwissenschaftler und Staatsmann

Quelle: Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, Verlag der Goethe-Gesellschaft, Weimar 1907. Aus Wilhelm Meisters Wanderjahren, 1829. Betrachtungen im Sinne der Wanderer

Verfolgung oder Vertreibung

In seiner jüngsten Ausarbeitung beschäftigt sich Dieter Hoppe mit dem jüdischen Lehrer Philipp Dillhoff. Siegfried Bohn hat die Ausarbeitung ins Englische übersetzt. Beide waren bis zu ihrer Pensionierung Lehrer an der Melsunger Geschwister Scholl Schule.
Dilloff
Schicksale, wie das des israelitischen Lehrers Dilloff wiederholen sich derzeit anderenorts: Menschen mit verschiedenen Glaubens- und Lebensanschauungen leben lange friedlich und geachtet miteinander oder nebeneinander her. Unerwartet bringt ein Umsturz und Gewalt alles in Gefahr. Was bleibt ist die Wahl zwischen Flucht und Vernichtung. Flüchtlinge waren und sind selten willkommen. Mit der beginnenden Judenverfolgung im 3. Reich gab es weltweit Bestrebungen, die Zuwanderung von Flüchtlingen zu verhindern. Gebildete reiche Juden, Dienstmädchen und Kinder hatten es leichter, ein Visum zu erhalten. Wer nicht flüchtete kam zumeist in ein KZ und wurde dort ermordet so wie Philipp Dilloff.
Jetzt strömen die Flüchtlinge nicht aus Deutschland weg, sondern sie wollen dort ankommen.
Unsere Bundeskanzlerin handelt vor dem Hintergrund geschichtlicher Erfahrung moralisch richtig. Ob das von der Bevölkerung noch lange mitgetragen wird, ist zumindest zweifelhaft.
Wenn das Leben von Menschen durch verbrecherische Regierungen und Organisationen bedroht wird, muss Zuflucht gewährt werden, wenn einreisende Flüchtlinge bereit sind, unsere Gesetze ausnahmslos zu beachten und nicht die gewährte Gastfreundschaft zu missbrauchen.
Der von Dieter Hoppe zusammengetragene Bericht und die von Siegfried Bohn angefertigte Übersetzung sind als pdf-Dokument abrufbar: 16 Seiten, 1 MB

Ein fehlendes “J” im Reisepass machte ihn ungültig und bringt den Tod

Die beiden pensionierten Lehrer Dieter Hoppe und Siegfried Bohn tun ihre Kompetenzen zusammen und ein 76 Jahre alter Reisepass mit englischem Visum wird Gegenstand einer Analyse in deutscher und englischer Sprache.

SentaHeerdtReisepass Bei einer anderen Melsungerin fehlte das diskriminierende J im Pass, als sie die Schweizer Grenze passieren wollte. So wurde Paula Levy zurück geschickt und später in einem Konzentrationslager ermordet. Paulas Levys Pass liegt im Marburger Staatsarchiv.
Die ersten 3 Seiten des anhängenden pdf-Dokumentes hatte Dieter Hoppe schon vor Jahren recherchiert. Daran schließt sich jetzt die von Siegfried Bohn angefertigte Übersetzung an. Eine Nachfahrin der ermordeten Paula hatte sich im Frühjahr erkundigt.
Das motivierte die beiden Lehrer, sich mit dem diskriminierenden Passwesen jetzt auch in der englischen Übersetzung zu beschäftigen: Reisepass für Senta Heerdt

Felsberg gedenkt seiner ermordeten jüdischen Bürger

Die Stolpersteinverlegung am 15. Juni 2015 in Melsungen und in Felsberg fand in Gegenwart eines koreanischen Filmteams statt. Konrad Rennert als der im Impressum genannte Verantwortliche für die Website, wurde Anfang Juni von koreanischen Fernsehredakteuren angesprochen, um Kontakte herzustellen. Er konnte aus dienstlichen Gründen nicht teilnehmen und hat Dieter Hoppe gebeten, das Geschehen zu dokumentieren. Verfasser des folgenden Berichtes und der 9 Fotos ist Dieter Hoppe aus Melsungen.

Die Initiative zu diesen Stolpersteinverlegungen ging zunächst von Schülerinnen der Radko-Stöckl-Schule in Melsungen aus, die dann Schülerinnen der Klasse 11 F13 der Drei-Burgen-Schule in Felsberg dafür begeistern konnten, auch in Felsberg mit der Verlegung von Stolpersteinen zu beginnen.
Von dieser Stolpersteinverlegung erfuhr ein koreanisches Filmteam, das gerade zu Aufnahmen in der Bundesrepublik Deutschland weilt. Die Koreaner hatten davon erfahren, wie man in Deutschland mit der Verarbeitung der Verbrechen der Nazizeit, d.h. der Judenverfolgung umgeht. Die Koreaner hatten im zweiten Weltkrieg schwer unter der japanischen Besetzung zu leiden. Vergangenheitsbewältigung ist zurzeit ein großes Thema in Korea. Korea wartet immer noch auf eine Entschuldigung Japans für die Zwangsprostitution koreanischer Frauen und Mädchen im 2. Weltkrieg. Japan verweigert bislang diese Entschuldigung mit der Begründung, Vergewaltigungen seien seit alters her eine Methode der Kriegsführung, um die Moral der eigenen Truppen zu stärken. Man sollte hier nicht vergessen, auch Truppen der Sieger in Europa haben vielfach Vergewaltigungen oft verbunden mit Ermordungen begangen, wenn auch nicht in dem organisierten Umfang, wie die Japaner die Zwangsprostitution organisierten sondern im allgemeinen als reine Willkürakte. Eine Entschuldigung ist auch von dort nie gekommen.

Wegen des koreanischen Filmteams wich Frau Dr. Mahler-Heckmann bei dem Beginn der Steinverlegung vom üblichen Eröffnungsritual ab und berichtete von der Entstehung und Entwicklung der Stolpersteininitiative in Melsungen. Sowohl in Melsungen wie in Felsberg kamen dann weitere Redner zu Wort. Dazu gehörten auch Schülerinnen in Melsungen wie in Felsberg. Sie berichteten von Ernst Levy, der wegen seiner Liebe zu einem christlichen Mädchen Melsungen verlassen musste und deshalb 1933 nach Köln verzog. Danach legten sie zwei weiße Rosen neben dem verlegten Stein nieder.


Bild 01: Die Schülerinnen Julia Hettstedt und Aline Apel mit je einer weißen Rose in der Hand von der Radko-Stöckl- Schule. Neben ihnen zwei junge Koreanerinnen. Sie knien vor dem verlegten Stolperstein. Die weißen Rosen wurden daneben abgelegt.
Bild 02: Kameramann Mujin Lee, daneben Sang Min Lee.
Bild 03: Frau Dr. Mahler-Heckmann im Gespräch mit der Leitung des Filmteams. Im Hintergrund Frau Meurer als Mitorganisatorin der Melsunger Initiative.
Bild 04: Der in Melsungen verlegte Stolperstein mit der Inschrift: Hier wohnte Ernst Levy/ Jg. 1912/ Unfreiwillig verzogen/ 1933 Köln/ Flucht Holland/ Interniert Westerbork/ Deportiert 1943/ Sobibor/ Ermordet 16.7.1943
Bild 05: Das Felsberger Stadtbauamt war eingebunden und hat die Verlegestelle vorbereitet
Felsberg
Bild 06: Frau Dr. Mahler-Heckmann im Gespräch mit dem Künstler Demnig und dem Schulleiter Dr. Dieter Vaupel.
Bild 07: Der Künstler Demnig, umgeben von den Schülerinnen, dem Kamerateam aus Korea und weiteren Besuchern vor dem Haus mit der 1. Felsberger Verlegestelle.
Bild 08: Zuschauer und Mitglieder der liberalen jüdischen Gemeinde.
Bild 09: Drei Stolpersteine mit einer Kurzbiographie der verfolgten Felsberger Bürger jüdischen Glaubens:

HIER WOHNTE HIER WOHNTE HIER WOHNTE
IISAAK KRUCK SIEGMUND KRUCK MALCHEN KRUCK
JG: 1866 JG.1912 JG.1878
IINTERNIERT 1940 UNFREIWILLIG VERZOGEN DEPORTIERT 1941
LAGER WARTEKUPPE 1935 FRANKFURT A.M. RIGA
TOT 26.12.1940 SCHICKSAL UNBEKANNT ERMORDET

Das Haus am Verlegeort gehört der liberalen jüdischen Gemeinde von Felsberg. Der Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg will das Haus als Gästehaus herrichten. Felsbergs Stadtverordnetenvorsteher bedankte sich bei den Schülerinnen, dass sie einen so langen Atem besessen hatten, um das Projekt durch zuziehen. Die Schülerinnen der Radko-Stöckl-Schule in Melsungen hatten nicht nur Geld für das Projekt gesammelt sondern auch die Felsberger Schülerinnen davon überzeugt, so dass am 15. Juni insgesamt vier Stolpersteine verlegt werden konnten.
In Felsberg war auch noch eine Zeitzeugin zugegen, Frau Margarete Wendel. Sie lebt bis heute in ihrem Elternhaus in der Obergasse. Gleich nebenan wohnte früher Malchen Kruck. Es wurde von Felsberger Seite der Wunsch geäußert, weitere Stolpersteine zu verlegen. – In anderen Orten sieht es da leider anders aus. Schulleiter Dr. Dieter Vaupel nannte als nächsten Termin das Frühjahr 2016 und als Verlegeort die Stelle vor der Eisdiele. Die Veranstaltung wurde mit einem liturgischen Gesang durch ein weibliches Mitglied der liberalen jüdischen Gemeinde von Felsberg beendet.

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