"Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken" Samuel Johnson

Schlagwort: Dieter Hoppes Recherchen (Seite 1 von 2)

Wer hat beim Bomben zuerst angefangen?

Mit dem Einsatz neuer Technologien kommen auch neue Bedrohungen. Die Entwicklung von Flugzeugen ermöglichte den Bombenkrieg. Hundert Jahre später ermöglicht das Internet den Cyberkrieg. Regeln für neue Kriegsformen kann man formulieren, aber niemand kann deren Einhaltung kontrollieren und garantieren.
Die Bombardierung unverteidigter Städte, Gebäude und Wohnstätten verstieß schon im 1. Weltkrieg gegen das Kriegsvölkerrecht. Darauf beruft sich Dieter Hoppe in seinem Beitrag “Anfänge des Luftkrieges im 1. Weltkrieg – Genfer Konvention und Haager Landkriegsordnung (HLKO)”. Der Herausgeber dieses Blogs (K. Rennert) hält jede Bombardierung von Zivilisten bewohnter Städte für völkerrechtlich nicht akzeptabel.
Schon wenige Tage nach Ausbruch des 1. Weltkrieges starben belgische Zivilisten durch deutsche Bomben auf Lüttich. Sie wurden noch von Hand aus dem Luftschiff “Zeppelin Z. VI” abgeworfen. Belgien war zu Beginn des Krieges ein neutraler Staat und wurde von Deutschland überfallen, weil man hoffte, die gegnerischen Streitkräfte Frankreichs und Großbritanniens über diese Flanke zu besiegen. Demzufolge leisteten die Belgier Widerstand und verteidigten Lüttich. Bomben auf Lüttich zu werfen war nach dem Kriegsvölkerrecht kein Verbrechen. Monate später fielen dann auch erste Bomben auf deutsche Städte, die kein Frontgebiet waren. Durch ihre Bahnverbindungen boten diese Städte kriegswichtige Infrastruktur. Sie waren wichtige Knotenpunkte für Waffen- und Soldatentransporte auf dem Weg zur Front. Gründe für Angriffe oder einen Kriegseintritt lassen sich immer herleiten. Zivilisten aus unbeteiligten Staaten werden fast immer von Kampfhandlungen bedroht sein. Die Versenkung des Passagierschiffes Lusitania mit US-Zivilisten an Bord brachte die USA zum Kriegseintritt und verminderte damit die Siegerchancen der Mittelmächte im 1. Weltkrieg.
Seit dem Altertum war die Geschichtsschreibung immer die der Sieger. Den Verlierern wurde fast alles genommen, Kriegsverbrechen an ihnen waren üblich und blieben ungesühnt. Das ist heutzutage nicht mehr möglich, weil zu viele Beweise beseitigt werden müssten. Vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal landen jedoch nur Verlierer, weil man die Sieger nicht einfangen und vor Gericht stellen kann.
Dieter Hoppes neueste Abhandlung deutet an, wie Menschen seiner Generation über die Kampfhandlungen und deren Aufarbeitung denken. Die später Geborenen haben mehr zeitlichen Abstand zum Geschehen.
Die Regeln des Kriegsvölkerrechts sind Auslegungssache. Erlaubtes Töten von Feinden oder Verbrechen? Das wird auch bei den kommenden Cyberkriegen die Frage sein. Wer mit der Unterbrechung von Strom-, Wasser- und Energieversorgung den Feind bekämpft, wird dabei auch die lebenswichtigen Apparate für Frühgeborene und Kranke in den Kliniken ausschalten.
Einzig eine starke Welt- und Wertegemeinschaft könnte Kriegstreiber wirksam bestrafen. Das Recht des Stärkeren und nicht das Recht scheint derzeit die Oberhand zu gewinnen. Russen besetzen die Krim, Chinesen besetzen Inseln, die ihnen nicht gehören, in Syrien werfen viele Seiten Bomben, die hauptsächlich Zivilisten töten, heimatlos machen und nach Europa migrieren lassen.
Die Verwerfungen durch Flüchtlingsströme sind auch für uns eine Bedrohung, weil als deren Folge unser stabiles Parteiengefüge zerstört wird. Menschen hören verstärkt auf Populisten mit ihren scheinbar einfachen Lösungen. Populistische Strömungen des Nationalismus erhalten Zulauf.
Ein Attentäter löste den 1. Weltkrieges aus. Jeder ausländische Attentäter bringt den Rattenfängern im Lande neuen Zulauf. Das ist schlecht für Europa. Am Ende des 1. Weltkrieges gab es in Europa nur Verlierer deren neu entstandenen nationalistisch gesinnten antidemokratische Bewegungen unmittelbar zum nächsten Krieg führten. Mit Schuldzuweisungen lassen sich heutzutage leichter Wahlen gewinnen als mit den Visionen von Europäern wie Emmanuel Macron oder den Visionen der verstorbenen Politiker wie Robert Schuman, Willy Brandt und Helmut Kohl.

Dieter Hoppe über Luthers Einstellung zu den Juden

In der Wikipedia findet man die Behauptung: „Luthers Aussagen zu Juden sind nicht rassistisch, aber konstant antijudaistisch.“

Der Beitrag eignet sich ebenso wie das nebenstehende Video zum Einstieg in die Stellungnahme von Dieter Hoppe zu einem Zeitungsartikel. Er erwähnt den jüdischen Konvertiten Antonius Margaritha. Der Sohn eines Rabbiners war politischer Berater christlicher Herrscher für antijüdische Maßnahmen. Konvertiten werden oft kritisch betrachtet, weil sie übereifrig sind.

Zu Beginn der Neuzeit erwies sich die Erfindung der Buchdruckerkunst für die Juden als verhängnisvoll, weil als Folge des Massendrucks die bösartigen Schmähschriften im Stil des Margaritha eine hohe Verbreitung fanden. Der Zugang zu vielfältigen Informationen war Mangelware. So ist nachvollziehbar, wie auch bedeutende Menschen wie Luther durch Propaganda radikalisiert werden können. Die gedruckte Hetzpropaganda war in Bezug auf ihren Wahrheitsgehalt betreffend der Juden kaum zu verifizieren. Dadurch erlag er der Versuchung, die Vertreibung der Juden und die Zerstörung von Synagogen zu befürworten. Zur Tötung von Andersgläubigen hat er allerdings noch nicht aufgerufen.
In der evangelischen Kirche gibt es keine Heiligen. Luther war der Reformator, den es damals bedurfte, um Fehlentwicklungen zu korrigieren. Die großen christlichen Glaubensgemeinschaften distanzieren sich heute von Entgleisungen und Verirrungen früherer Jahrhunderte. Sie leben friedlich miteinander und vermeiden Hetze gegen andere Religionen. Heute wirken gefährliche Konvertiten in anderen Religionen. Statt hetzerischer Flugblätter verbreiten sie ihren Hass via Internet und suchen so global nach Mitstreitern für die böse Sache. Geschichte wiederholt sich.

  • “Alle Religionen müssen ihre Fähigkeit stärken, mit Schattenseiten in ihrer Geschichte und Aggressivität in der Gegenwart kritisch umzugehen. Ich habe aber den Eindruck, dass diese Fähigkeit bei islamischen Organisationen bisher nicht sehr ausgeprägt war.” – Wolfgang Huber, Interview im “FOCUS” vom 22. November 2004, veröffentlicht bei EKD.de

Lizenzhinweis: Der anhängende Beitrag von Dieter Hoppe als auch diese Einleitung von Konrad Rennert unterliegen der Creative-Commons-Lizenz-Namensnennung-Keine Bearbeitung (CC-BY-ND). Sie dürfen also unter diesen Bedingungen elektronisch benutzt, übermittelt, ausgedruckt und zum Download bereitgestellt werden. Den Text der Lizenz erreichen Sie hier: https://creativecommons.org/licenses/by-nd/3.0/de

Dieter Hoppes ungekürzte Beiträge

Auf der Website der Melsunger Stolpersteine sind die Beiträge und Erinnerungen kurz und knapp gehalten. Im Zweifel oder bei Meinungsverschiedenheiten wird ein Beitrag nicht veröffentlicht oder Veröffentlichtes verschwindet wieder. Der kleinste gemeinsame Nenner muss bei Vereinen sein, wenn man keine Mitglieder in seinem breiten Spektrum verärgern oder verlieren will. Veröffentlichungen auf dem Heiligenberg-Blog müssen sich im Rahmen unseres Grundgesetzes bewegen. Eine unzensierte Vielfalt macht Websites lesenswert. Die von Dieter Hoppe zusammen getragenen Fakten und Dokumente ergänzen lokale Begebenheiten, die so nicht in den üblichen Geschichtsbüchern stehen. In diese Kategorie von Veröffentlichungen fallen auch die fünf unten genannten Beiträge.InterzonenReisegenehmigung

Hintergrund: Dieter Hoppe hat schon vor vielen Jahren mit Nachfahren und Angehörigen Melsunger Bürger jüdischen Glaubens gesprochen und fand unter anderem interessante Relikte zum Paket- und Postkartenversand in die Konzentrationslager. Mit einem Kollegen aus der Schulzeit hat er jetzt begonnen, auch in Englisch über das Thema zu publizieren, weil es in Amerika auf Interesse stößt.
Über die folgenden Links finden Sie seine Beiträge, die von ihm veröffentlicht wurden und jetzt nicht mehr oder nur noch schwer zu finden sind:theresienstadt
* Überleben /Leben und Überleben eines…) (13 Seiten) (Erstelldatum 2005)
* Postverkehr mit Theresienstadt, Päckchen und Pakete, 3 Seiten (Erstelldatum 19.4.2008)
* Theresienstadt , 18 Postkarten aus Theresienstadt…, 20. Mai 1943 bis 23. Sept. 1944 (Erstelldatum 15.4. 2008)
* Interzonenreisegenehmigung für Christoph Heerdt, 2 Seiten (Erstelldatum 23.5.2005)
* Eine letzte Diskriminierung der Deportierten und Ermordeten, Verslawung dt. Eigennamen, 4 Seiten (Erstelldatum 2005)
Folgende drei Sätze hat Dieter Hoppe bei der Lieferung noch ergänzt (sein Wortlaut)
„Bei jedem Beitrag sollte zu erkennen sein, wann er entstanden ist. Da ich aber alles an den ersten angehängt habe, steht auch das Jahr des Entstehens nämlich 2005 darunter. Deshalb habe ich in allen weiteren Beiträgen das korrekte Jahr im Kopfbereich noch einmal richtig angegeben.“

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Das folgende Zitat zum Lesen und Schreiben passt in den Zusammenhang und ist eine Aufforderung, sein Wissen aufzuschreiben, so wie Dieter Hoppe es schon oft getan hat:

“Kannst du lesen, so sollst du verstehen; kannst du schreiben, so musst du etwas wissen; kannst du glauben, so sollst du begreifen; wenn du begehrst, wirst du sollen; wenn du forderst, wirst du nicht erlangen; und wenn du erfahren bist, sollst du nutzen.”

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), deutscher Dichter der Klassik, Naturwissenschaftler und Staatsmann

Quelle: Goethe, Maximen und Reflexionen. Aphorismen und Aufzeichnungen. Nach den Handschriften des Goethe- und Schiller-Archivs hg. von Max Hecker, Verlag der Goethe-Gesellschaft, Weimar 1907. Aus Wilhelm Meisters Wanderjahren, 1829. Betrachtungen im Sinne der Wanderer

Verfolgung oder Vertreibung

In seiner jüngsten Ausarbeitung beschäftigt sich Dieter Hoppe mit dem jüdischen Lehrer Philipp Dillhoff. Siegfried Bohn hat die Ausarbeitung ins Englische übersetzt. Beide waren bis zu ihrer Pensionierung Lehrer an der Melsunger Geschwister Scholl Schule.
Dilloff
Schicksale, wie das des israelitischen Lehrers Dilloff wiederholen sich derzeit anderenorts: Menschen mit verschiedenen Glaubens- und Lebensanschauungen leben lange friedlich und geachtet miteinander oder nebeneinander her. Unerwartet bringt ein Umsturz und Gewalt alles in Gefahr. Was bleibt ist die Wahl zwischen Flucht und Vernichtung. Flüchtlinge waren und sind selten willkommen. Mit der beginnenden Judenverfolgung im 3. Reich gab es weltweit Bestrebungen, die Zuwanderung von Flüchtlingen zu verhindern. Gebildete reiche Juden, Dienstmädchen und Kinder hatten es leichter, ein Visum zu erhalten. Wer nicht flüchtete kam zumeist in ein KZ und wurde dort ermordet so wie Philipp Dilloff.
Jetzt strömen die Flüchtlinge nicht aus Deutschland weg, sondern sie wollen dort ankommen.
Unsere Bundeskanzlerin handelt vor dem Hintergrund geschichtlicher Erfahrung moralisch richtig. Ob das von der Bevölkerung noch lange mitgetragen wird, ist zumindest zweifelhaft.
Wenn das Leben von Menschen durch verbrecherische Regierungen und Organisationen bedroht wird, muss Zuflucht gewährt werden, wenn einreisende Flüchtlinge bereit sind, unsere Gesetze ausnahmslos zu beachten und nicht die gewährte Gastfreundschaft zu missbrauchen.
Der von Dieter Hoppe zusammengetragene Bericht und die von Siegfried Bohn angefertigte Übersetzung sind als pdf-Dokument abrufbar: 16 Seiten, 1 MB

Ein fehlendes “J” im Reisepass machte ihn ungültig und bringt den Tod

Die beiden pensionierten Lehrer Dieter Hoppe und Siegfried Bohn tun ihre Kompetenzen zusammen und ein 76 Jahre alter Reisepass mit englischem Visum wird Gegenstand einer Analyse in deutscher und englischer Sprache.

SentaHeerdtReisepass Bei einer anderen Melsungerin fehlte das diskriminierende J im Pass, als sie die Schweizer Grenze passieren wollte. So wurde Paula Levy zurück geschickt und später in einem Konzentrationslager ermordet. Paulas Levys Pass liegt im Marburger Staatsarchiv.
Die ersten 3 Seiten des anhängenden pdf-Dokumentes hatte Dieter Hoppe schon vor Jahren recherchiert. Daran schließt sich jetzt die von Siegfried Bohn angefertigte Übersetzung an. Eine Nachfahrin der ermordeten Paula hatte sich im Frühjahr erkundigt.
Das motivierte die beiden Lehrer, sich mit dem diskriminierenden Passwesen jetzt auch in der englischen Übersetzung zu beschäftigen: Reisepass für Senta Heerdt

Stolpersteine „Gegen das Vergessen“

PaulaLevyPassbildMelsunger Bürgern mit jüdischem Glauben wird mit Stolpersteinen gedacht wenn sie während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden.
In Erinnerung werden aber auch die ehrenamtlichen Autoren der zugehörigen Website bleiben. Sie sind die Ansprechpartner für Hinterbliebene und Interessierte aus aller Welt. Selbst Jahre nach der Veröffentlichung sind die ehrenamtlich erstellten Informationsseiten noch Gegenstand von Anfragen an die Redaktion.
Das Impressum ist für die Kontaktaufnahme wichtig, weil die Adresse des dort genannten Websitekümmerers  das Ziel von Anfragen ist. Der Angeschriebene prüft die Seriosität und leitet ernst gemeinte Anfragen an die zuständigen Redakteure oder den Vorstand des Vereins weiter.
Kürzlich waren zwei bemerkenswerte Anfragen dabei. Weiterlesen

Ist eine Geschichtsverbesserung bei den Melsunger Stolpersteinen notwendig?

Die Stolpersteinseite der Melsunger erregt Anstoß bei einem Marburger Historiker

Hintergrund: Im Internet bereit gestellte Texte werden global wahrgenommen. Sie können danach dank Google & Co. nicht mehr völlig aus der Welt geschafft werden, selbst wenn die Betroffenen und die Zensur das wünschen.

zensur-neindankeDie persönliche Meinung des Autors ist: Unsere Presse- und Meinungsfreiheit könnte mit Datenschutzargumenten bald unter die Räder kommen. Einen Artikel in der Netzpolitik zufolge könnten selbst ernannte Geschichtsverbesserer demnächst versuchen, eigene Interessen durchzusetzen: Per Gesetz dürfen missliebige Suchergebnisse nicht mehr angezeigt werden. Man muss nur eine passende Begründung für das Recht auf Vergessen konstruieren. Das ist schleichende Zensur: Was bei Google und Wikipedia nicht mehr auftaucht ist praktisch nicht existent. Die jüngere Generation schaut kaum noch in Bücher und papierene Archive. Alles wird dank der Suchmaschinen sofort im Internet bereitgestellt. Bücherstudium ist ziemlich out…

Der reduzierte Blick birgt Gefahren, denen man mit Vorgaben begegnen möchte. Es kommt die Frage: Wo jedoch liegt die Grenze tolerierbarer Veröffentlichungen?

In Deutschland darf veröffentlicht werden, was mit unserer Gesetzeslage vereinbar ist. In anderen Ländern ist das Gleiche strafbar. Hier darf man Satire im Stil von charlie hebdo schreiben: „2014: Russland besetzt die Krim und die Ostukraine, 2015: Griechenland ist pleite und konfisziert deutsche Immobilien, 2016 Griechenland interniert die letzten deutschen Touristen, um Lösegeld in Milliardenhöhe für deren gesunde Heimkehr zu fordern…“

Derartige Spekulation ist zulässige Satire. Man kann allenfalls Gegendarstellungen erwirken, z.B.: „2016 wird kein deutscher Tourist Griechenland betreten, weil das Außenministerium rechtzeitig zu Weihnachten 2015 eine Reisewarnung veröffentlicht hat. Griechische Ziele können danach nur noch per Umstieg in Moskau oder Simferopol (Krim) angeflogen werden… “

Als verantwortlicher Journalist, Redakteur und Freund guter Realsatire schätze der Autor die liberale deutsche Praxis und will mit diesem Beitrag konsequent sein. Bilden Sie sich eine persönliche Meinung zum nachfolgend geschilderten Sachverhalt. Sachliche Entgegnungen aus der Leserschaft werden gerne aufgegriffen, um sie zu veröffentlichen:

Die Replik beginnt mit den Fakten auf der Stolpersteinseite: Wenn man über das Suchformular der Stolpersteine Melsungen den Namen Reinhardt eingibt, erhält man genau vier Treffer.

Es sind Berichte von Zeitzeugen über einen Akademiker, der sich mit den Nazis einließ. Die Zeugen haben das Handeln und die Person des Dr. Reinhardt aus dem zeitlichen Kontext geschildert. Den Augen- und Ohrenzeugenberichten steht Archivmaterial gegenüber. Das bewegte einen Historiker aus Marburg die folgenden Zeilen an die Redaktion zu schreiben:

Hallo,

das Eintragen ins Gästebuch funktioniert bei Ihnen nicht. Daher wähle ich diesen Weg. Mir scheint, Sie verharmlosen die Rolle des glühenden Hitler-Verehrers und Antisemiten Dr. Heinrich Reinhardt (*28.3.1894). Lesen Sie mal, was er im Melsunger Tageblatt 1933-1943 verbreitete! Auszüge daraus in dem Buch von Rolf Schmidt über die Gau- und Kreisleiter, S. 490-493.

Beste Grüße

Um der „Sache Dr. Reinhardt“ nachzugehen wurde Dieter Hoppe um Stellungnahme gebeten. Er kennt die Archive und einige Personen, die besagten Dr. Reinhardt noch persönlich kannten.

Seine Stellungnahme ist im Wortlaut ab Seite 3 dieses PDF-Dokumentes veröffentlicht. Ein farbig markierter Einschub wurde am 2. April 2015 ergänzt. Er beginnt auf Seite 9

Germania est delenda

churchillViele Erinnerungen kamen mir beim Lesen des Beitrages Germania est delenda [32 Seiten, pdf, 5 MB] von Dieter Hoppe. Es sind lange zurückliegende Eindrücke von den Geburtstagsfeiern meiner Großeltern. Mein konservativer Großvater Albert war nicht nur genau 32 Jahre jünger als der letzte deutsche Kaiser. Er hatte als Schüler an seinem Geburtstag, der auch Kaisers‘ Geburtstag war, immer schulfrei. Mehr als 20 Jahre saß mein Opa für eine zentrumsnahe Bürgerliste im Gemeinderat eines Waldecker Ortsteils. Am 27. Januar kamen zum feiern einige Dorfhonoratioren und Lehrer zusammen, deren politischer und geschichtlicher Fachsimpelei ich interessiert zuhörte: Was wäre, wenn der 1. Weltkrieg nicht im Versailler-Vertrag geendet hätte und Hitler mit seinem Nationalsozialismus keine Chance gehabt hätte? Den Mächtigen aller Nationen ging es vor 100 Jahren vordergründig um die Ehre, aber im Hintergrund um wirtschaftliche Interessen (Imperialismus). Weil die Folgen eines Krieges im Sommer 1914 falsch eingeschätzt wurden, spielten die Regierenden mit dem Feuer und verloren mehr oder weniger alle dabei – bis auf die USA, die gestärkt aus dem Konflikt gingen.

Rudolf Augstein hat vor 16 Jahren einen Artikel zur Vorgeschichte des 1. Weltkrieges geschrieben. Wie auch Dieter Hoppe kommentiert er den oben als Beitragstitel gewählten Slogan der Saturday Review. Dort stand schon im August 1895, also fast zwei Jahrzehnte vor dem 1. Weltkrieg: “Wir Engländer haben bisher stets gegen unsere Wettbewerber bei Handel und Verkehr Krieg geführt. Unser Hauptwettbewerber ist heute nicht mehr Frankreich, sondern Deutschland.”

Krieg war seit der Antike ein Mittel, wirtschaftlich erfolgreiche Mitbewerber auszuschalten. Cato rief deshalb zur Zerstörung Karthagos auf. Churchill ist ein Nachfolger im Geiste in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er erkannte „Es geht nur darum, wer der Stärkste ist.“
Das scheint auf den ersten Blick ähnlich wie bei einer Fußball-WM zu sein. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass solcher Ehrgeiz die Rachegefühle der Verlierer stärkt und der Grund ist, dass Millionen Menschen zu Tode kamen, weil man die Niederlage in der in Versailles beschlossenen Form nicht hinnehmen wollte. Ein demütigendes Kriegsende ist oft der Grund für den nächsten Krieg. In der Ukraine und im Nahen Osten scheint diese Kausalität noch nicht angekommen zu sein.

Beschäftigung mit angeblichem Geschichtsrevisionismus

Zusammenfassung und Gedanken zum Schriftwechsel mit Dieter Hoppe, einem Zeitzeugen und kritischen Analytiker der Geschichte des letzten Jahrhunderts.
Ausgangspunkt dieses Beitrages ist das rechts eingebundene Video und die unliebsame Folgen des 100 Jahre zurückliegenden 1. Weltkrieges und die Gefahr, dass aus der Geschichte nichts gelernt wurde.
SOPWolfgang Schäuble hat vor einigen Wochen das Vorgehen von Putin bei der Annexion der Krim mit dem von Hitler bei der Annexion des Sudetenlandes verglichen. Für die von Schäuble verglichenen Machthaber ist der Traum von alter Größe ein Grund, sich verlorene Gebiete zurück zu holen: In weiten Gebieten der Ukraine leben russisch-stämmige Menschen, die teilweise ins großrussische bzw. post-sowjetische Reich zurück möchten. Ähnlich war es nach dem 1. Weltkrieg als das Deutsche Reich und das Habsburger Reich (Österreich-Ungarn) auseinanderfielen bzw. große Teile mit deutschstämmiger Bevölkerung von den Nachbarländern annektiert wurden, ohne dass dort völkerrechtsmäßige Abstimmungen durchgeführt wurden. Im Prinzip waren die von den Siegern geschaffenen Grenzen unnatürlich, weil die Übergänge der Nationalitäten bis dahin fließend waren. So wie noch heute in den umkämpften Gebieten der ehemaligen Sowjetunion oder Ex-Jugoslawiens. Ethnische Säuberungen sind und waren schon immer die Folge von derartigen Grenzziehungen. Neu geglaubte Stärke der vormals Unterlegenen verleitet dann dazu, geschehenes Unrecht mit neuem Unrecht und Gewalt zu beantworten. Das was Schülern im Geschichtsunterricht angeboten wird, ist ein auf wenige Schwerpunkte reduziertes und interpretiertes Extrakt. Geschichte und Geschichtsschreibung wurde und wird solange es sie gibt immer von Siegern dominiert. Die Sieger aus den unzähligen Kriegen haben die Möglichkeit, unliebsame Quellen für die Nachwelt zu zerstören oder zumindest zu relativieren, so dass die von ihnen gewünschte Deutung mehr Gewicht hat. Solche Versionen werden zur Wahrheit und über Schulbücher zur anerkannten Lehre. Widerspruch ist ab diesem Zeitpunkt Revisionismus.
Wenn brisante geschichtliche Fakten genannt und offenkundige Parallelen mit der Gegenwart auffallen, ist der Vergleich nur Privatpersonen erlaubt. Der Spiegel berichtete über Schäubles Vergleich: “Ukraine-Krise-Schaeuble-vergleicht-Putins-Krim-Plaene-mit-Hitlers-Politik” Er bekam den Ärger seiner Chefin zu spüren: Krim-Krise-Schaeubles-Putin-Hitler-Vergleich-sorgt-fuer-Wirbel

Die Regierungschefin weiß wohl, dass Ihr Finanzminister Recht hat, aber sie weiß, dass man in leitenden Positionen schweigen sollte, um nicht des Revisionismus verdächtigt zu werden. Erst im späteren Ruhestand darf man sich derartige Vergleiche in der Biografie erlauben. Der oben im Video abgebildete ehemalige Bundeswehrgeneral und Fachmann für Rüstungsfragen und Auswertung von Archivmaterial braucht derartige Rücksichten nicht mehr zu nehmen. Er kann als Rentner nicht mehr gefeuert werden. Der Ex-Generalmajor der Bundeswehr ist 1939 in Weimar geboren und wird mit dem Attribut „geschichtsrevisionistisch“ belegt. Dieses Attribut nutzen die Protagonisten des herrschenden Geschichtsmainstreams, um sich ernsthafte Auseinandersetzungen mit unangenehmen Wahrheiten zu ersparen. Polemik und Oberflächlichkeit statt echter Analyse ist überhaupt ein Problem in den Nicht-Naturwissenschaften wie der Geschichte.

Material, welches die jüngeren Generationen nicht in Schulbüchern finden, sieht man in den folgenden Verlinkungen im Rahmen von philatelistischen Sammlungen und Kommentaren. Dieter Hoppe hat mir einige historische Sammlungsstücke zu den Grenzziehungen mit und ohne Volksabstimmungen nach dem 1. Weltkrieg angeboten, die ich hiermit vorab veröffentliche:

Fazit: Viele Grenzen in Europa sind unnatürlich entstanden. Die Entstehungsgeschichte der Grenzen sollte jetzt im zeitlichen Abstand vieler Jahrzehnte in ihrer vollen Komplexität dargestellt werden.

Niemand sollte versuchen, Osteuropäische Grenzen gewaltsam zu ändern, weil das den Weltfrieden bedroht. Wer in der zusammen wachsenden EU von einem Hof oder einem Haus am Mittelmeer, den Karpaten oder dem Baltikum träumt, der soll nicht mit bewaffneter Eroberung drohen, sondern in passenden Immobilienportalen schauen und die Finanzierung mit seiner Bank besprechen.

Die Anwendung des Rechts ist weisungsgebunden

Unsere Regierung hat Möglichkeiten, unliebsame Ermittlungen zu unterdrücken oder sie doch soweit zu behindern, dass sie nicht mehr wahrgenommen werden.
Das nehmen wir derzeit im Gezerre um Edward Snowden wahr. Er ist bereit, über die Spionage gegen deutsche Bürger und Regierungsmitglieder hier im Lande vor Untersuchungsausschüssen auszusagen. Man nutzt die Möglichkeit zur Wahrheitsfindung nicht. Man verfährt mal wieder wie im fernöstlichen Sprichwort von den drei Affen. Es steht dort für den vorbildlichen Umgang mit Schlechtem im Sinne der buddhistischen Lehre und dem Harmoniebedürfnis: “Nichts Böses sehen, nichts Böses hören, nichts Böses sagen.” In diesem Sinn verhält sich unsere große (buddhistische) Koalition geradezu vorbildlich und handelt scheinbar immer noch weisungsgebunden und im vorauseilenden Gehorsam. Was nicht ins Bild passt und die Harmonie in ihrer Politik stört, wird ausgeklammert. Das ist in der NSA-Affäre so, das war bei der Bankenkrise so, wie im Video unten angedeutet und das war erst recht vor fast 70 Jahren so, als die Alliierten beschlossen, Dinge zu ignorieren, die nicht ins Bild passten. Damals ging es nicht um viele Milliarden Euro, die durch die Unfähigkeit der Politiker verzockt wurden. Damals in der Nachkriegszeit spielte man mit von Tausenden von Menschenleben. Die Hintergründe des Unrechts wurden kaum aufgearbeitet.
Das Sprichwort von den drei Affen hat Dieter Hoppe an den Anfang seines überarbeiteten 29 Seiten langen Beitrages über das Ende der Ostfreiwilligen gestellt: Material zur Überarbeitung meines Kommentars Teil-2

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