Voll peinlich

Voll peinlich empfand ich am letzten Wochenende den Auftritt einiger Kirchenbesucher. Wenn man im Kreise der Arbeitskollegen oder im Familienkreis seinen Kirchenaustritt als Kostensparmassnahme anpreist, sollte man nicht zur Konfirmation von Angehörigen am Abendmahl teilnehmen. Entweder ist man Mitglied einer Gemeinschaft oder man ist es nicht – und dann sollte man auch nicht zum Abendmahl gehen – zumal, wenn andere Teilnehmer vom Austritt wissen. Dann ist Geiz nicht geil sondern peinlich. Peinlich ist auch, wenn – wie geschehen – erwachsene Besucher die Blumendekoration in der Kirche abpflücken und dann galant anderen Besuchern die Blumen präsentieren. Eventuell sollte man doch mal in den Knigge schauen, wenn man sich in ungewohnter Umgebung aufhält.

Derartige Unsicherheiten waren auch Gesprächsthema bei der Feier nach dem Kirchenbesuch. In der Diskussion war es für die meisten akzeptabel, wenn jemand nur passives Mitglied ist und nur gelegentlich die Kirche aufsucht oder deren Dienste in Anspruch nimmt: Zur Taufe, zur Konfirmation, zur Trauung oder zur Beerdigung oder zur Einstimmung an Weihnachten. Einige wussten aber auch von skurrilen Anfragen zu berichten, wo die Angehörigen einer aus der Kirche ausgetretenen Person dann doch den Auftritt eines Pfarrers bei der Trauerfeier des Ausgetretenen wünschten.

Ob das wirklich der Wunsch des Verstorbenen ist, der mit seinem Austritt die Ablehnung der Gemeinschaft dokumentiert hat? Oder war in einigen Fällen doch nur „Geiz ist Geil“ der wahre Grund? Auf jeden Fall bringen sie den Pfarrer in Bedrängnis: Soll er die Willenserklärung des Verstorbenen achten und den Dienst am Grab ablehnen oder soll er sich am Grab über den Austritt hinwegsetzen und der Beerdigung einen feierlichen Rahmen und Trost für die Hinterbliebenen spenden?

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