Apotheken sind heute (fast) dicht

Im Schwalm-Eder-Kreis ist ein Protesttag gegen die Gesundheitsreform angesagt. Dann muss ich im Ort wohl 100 Meter weiter zu Schlecker gehen und mir dort meine nicht verschreibungspflichtigen Hustenbonbons holen 😉
Es müssen dort sowieso die Fotos abgeholt werden, die ich über das Internet bestellt habe. Es ist dort zwar nicht saubillig, aber Apothekenpreise muss ich weder für Fotos noch für Hustenbonbons zahlen. Wenn jetzt öfter gestreikt wird, sollte ich wohl meine planbaren Einkäufe in die Internet-Apotheke verlagern und informiert wird sich über Wikipedia statt über die Apotheken-Rundschau: Wenn ich dort nicht die Information zur Bronchitis finde, kann ich für 12 Cent pro Minute telefonisch vom Apotheker beraten werden. Es schmilzt der satte Preisvorteil für das Produkt schon um 60 Cent, wenn ich 5 Minuten mit dem Fachmann rede.
Im Zuge der Globalisierung und sich ändernden Kaufverhaltens wird wohl nichts mehr so gemütlich und kalkulierbar, wie es in den vergangenen Jahrzehnten war. „Wir werden zu Krämern degradiert„, wird ein Apotheker in der HNA zitiert. Warum sollte es akademischen Verkäufern von Gesundheitsprodukten besser gehen als dem Einzelhandel, der schon lange keine Preisbindungen und festen Margen kennt?
Vor 24 Jahren dachte ich nicht viel anders als der Apotheker, welcher mit seiner Äusserung die Krämer und Basaris beleidigt. Damals war ich bei einem Systemhaus als akademisch ausgebildeter Verkäufer für PCs eingesetzt. Als es dann plötzlich zu Weihnachten die ersten PCs bei den großen Göttinger Kaufhäusern Hertie und Karstadt gab, waren wir sehr verärgert, weil deren billigste PCs plötzlich zu Preisen verkauft wurden, die unter unseren Einkaufspreisen lagen. Wir mussten mit dem Lieferanten neu verhandeln und die Preise senken und die nötigen Erträge fortan mit Nischenprodukten und Dienstleistungen verdienen. Wer nur als Besitzstandswahrer seine überkommenen Privilegien verteidigt, könnte mit seinem Protest auf Unverständnis stoßen und so ein Eigentor schießen.
Andererseits: Mit dem Wunsch nach Bürokratieabbau haben die Ärzte recht. Der Erwerb einer Dienstleistung im Gesundheitsbereich ist jetzt für Kunden und Dienstleister extrem bürokratisch: Versicherungskarte abgeben, 10 Euro zahlen, Quittung in Empfang nehmen, Kurzkontakt mit dem Arzt, Rezept am Praxistresen abholen, zur Apotheke gehen, Zuzahlung leisten… Alles zusammengenommen dauert es viel länger als der Kontakt mit dem behandelnden Mediziner. Von der internen Abrechnung der Ärzte und Apotheker bekommen wir als Kunden Patienten ja nichts mit, aber der von den Verbänden geschilderte Bürokratiewahnsinn scheint glaubhaft. Warum sollte der Arzt z.B nicht gleich das Medikament nach der Diagnose austeilen und auf das lästige Ausstellen eines Rezeptes verzichten? Das klappt so doch schon in unterentwickelten Ländern und bei meiner Grippeschutzimpfung im November war die Ware auch schon beim Arzt, der sie mir verkauft verabreicht hat?

Bürokratieabbau ist hier notwendig

Dieser Beitrag wurde unter Wirtschaft abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.