Hand auf’s Herz …

So beginnt das Schreiben des Nochbürgermeisters zur Stichwahl am 11.11. in Felsberg.
Er hat ja Recht. Seine Arbeit und die seiner Vorgänger kann ja so schlecht nicht gewesen sein, wenn damals satte absolute Mehrheiten für die SPD erzielt wurden. Ob andere Kandidaten es schlechter gemacht hätten, lässt sich rückwirkend nicht sagen. Als Zugezogener und dauerhafter Wechselwähler sehe ich Geschichte objektiver und bemerke auch teure Fehlentscheidungen, z. B. die Planung und den Bau eines Rathauses im Hochwassergebiet mit Folgekosten durch Ederhochwasser.
Die Vergangenheit sollte man nicht überstrapazieren, wenn man neue und junge Wähler gewinnen will.
Wenn Stefan Umbach am Sonntag nicht gegen Volker Steinmetz gewinnt, liegt das nicht an seiner Person, sondern wahrscheinlich am verloren gegangen Profil und der Erosion der SPD. In meiner Schulzeit war die SPD die Partei, die anders war. Chancen für die Kinder der Arbeiter, Ostverträge, Friedensnobelpreis für Willy Brandt. Die Ablösung einer Politik, die von scheinbar gestrigen Köpfen bestimmt wurde, machte die SPD damals attraktiv.
Die Aufbruchstimmung ist lange verbraucht. Wie kann sich die SPD von der CDU-Familienministerin abheben, die das umsetzt, was ihre SPD-Vorgängerin forderte? Die Ziele und Methoden der Parteien sind nicht mehr im schwarz-weißen oder schwarz-roten Kontrast zu sehen. Tagespolitik erscheint dem Bürger oft grau in grau. Das motiviert wenige, ihr Kreuz gewohnheitsmäßig bei einer Partei zu machen. Vor allem nicht, wenn die Partei kurzatmig ihre Ziele neu definiert und damit die von der Regierung Schröder eingeleiteten richtigen Reformen auf Parteitagen wieder kaputtmacht, statt ihren Anteil an der notwendigen Konsolidierung der Staatsschulden hervorzuheben. Bis auf Franz Müntefering wirken die Spitzenkräfte der SPD wie pragmatische Manager, die auch in der Wirtschaft erfolgreich arbeiten könnten (Steinbrück, Steinmeier, Gabriel, Tiefensee). Ihr Streben gleicht denen von Vorständen, die nur kurzfristigen Shareholder Value im Blick haben und nicht die langfristige Sicherung der Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Alles was gedanklich über die nächste Wahl hinausreicht, ist den kurzfristigen Vorteilen unterzuordnen. Stefan Umbach als langjähriger Mandats- und Funktionsträger der SPD hat von einem solchen Image seiner Partei nicht mehr den Vorteil, den frühere Bürgermeister der SPD einmal hatten. Wenn er und mit ihm die SPD am Sonntag verlieren, liegen sie damit im allgemeinen Abwärtstrend der großen Parteien. Es wird kaum noch einmal die gewohnten absoluten Mehrheiten geben – dann hätte schon der bewährte Klaus Stiegel noch einmal in den Ring steigen müssen. Aber das ist Vergangenheit und die Felsberger könnten sich mit knapper Mehrheit dazu entschließen, jahrzehntelang eingefahrene Geleise zu verlassen.
Der recyclebare letzte Halbsatz im Schreiben von Klaus Stiegel ist staatstragend und universell für neue Amtsträger verwendbar, wenn man den davor genannten Namen offen lässt: „- er wird ein sachkundiger und kompetenter Nachfolger für den jetzigen Amtsinhaber sein und seine Arbeit für alle Bürgerinnen und Bürger verantwortungsbewusst und sachgerecht fortsetzen!“
Nach ein paar Jahren werden wir es wissen, so oder so 😉

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