"Die Sprache ist die Kleidung der Gedanken" Samuel Johnson

Schlagwort: Dieter Hoppes Lebenserinnerungen (Seite 1 von 5)

Ist eine Geschichtsverbesserung bei den Melsunger Stolpersteinen notwendig?

Die Stolpersteinseite der Melsunger erregt Anstoß bei einem Marburger Historiker

Hintergrund: Im Internet bereit gestellte Texte werden global wahrgenommen. Sie können danach dank Google & Co. nicht mehr völlig aus der Welt geschafft werden, selbst wenn die Betroffenen und die Zensur das wünschen.

zensur-neindankeDie persönliche Meinung des Autors ist: Unsere Presse- und Meinungsfreiheit könnte mit Datenschutzargumenten bald unter die Räder kommen. Einen Artikel in der Netzpolitik zufolge könnten selbst ernannte Geschichtsverbesserer demnächst versuchen, eigene Interessen durchzusetzen: Per Gesetz dürfen missliebige Suchergebnisse nicht mehr angezeigt werden. Man muss nur eine passende Begründung für das Recht auf Vergessen konstruieren. Das ist schleichende Zensur: Was bei Google und Wikipedia nicht mehr auftaucht ist praktisch nicht existent. Die jüngere Generation schaut kaum noch in Bücher und papierene Archive. Alles wird dank der Suchmaschinen sofort im Internet bereitgestellt. Bücherstudium ist ziemlich out…

Der reduzierte Blick birgt Gefahren, denen man mit Vorgaben begegnen möchte. Es kommt die Frage: Wo jedoch liegt die Grenze tolerierbarer Veröffentlichungen?

In Deutschland darf veröffentlicht werden, was mit unserer Gesetzeslage vereinbar ist. In anderen Ländern ist das Gleiche strafbar. Hier darf man Satire im Stil von charlie hebdo schreiben: „2014: Russland besetzt die Krim und die Ostukraine, 2015: Griechenland ist pleite und konfisziert deutsche Immobilien, 2016 Griechenland interniert die letzten deutschen Touristen, um Lösegeld in Milliardenhöhe für deren gesunde Heimkehr zu fordern…“

Derartige Spekulation ist zulässige Satire. Man kann allenfalls Gegendarstellungen erwirken, z.B.: „2016 wird kein deutscher Tourist Griechenland betreten, weil das Außenministerium rechtzeitig zu Weihnachten 2015 eine Reisewarnung veröffentlicht hat. Griechische Ziele können danach nur noch per Umstieg in Moskau oder Simferopol (Krim) angeflogen werden… “

Als verantwortlicher Journalist, Redakteur und Freund guter Realsatire schätze der Autor die liberale deutsche Praxis und will mit diesem Beitrag konsequent sein. Bilden Sie sich eine persönliche Meinung zum nachfolgend geschilderten Sachverhalt. Sachliche Entgegnungen aus der Leserschaft werden gerne aufgegriffen, um sie zu veröffentlichen:

Die Replik beginnt mit den Fakten auf der Stolpersteinseite: Wenn man über das Suchformular der Stolpersteine Melsungen den Namen Reinhardt eingibt, erhält man genau vier Treffer.

Es sind Berichte von Zeitzeugen über einen Akademiker, der sich mit den Nazis einließ. Die Zeugen haben das Handeln und die Person des Dr. Reinhardt aus dem zeitlichen Kontext geschildert. Den Augen- und Ohrenzeugenberichten steht Archivmaterial gegenüber. Das bewegte einen Historiker aus Marburg die folgenden Zeilen an die Redaktion zu schreiben:

Hallo,

das Eintragen ins Gästebuch funktioniert bei Ihnen nicht. Daher wähle ich diesen Weg. Mir scheint, Sie verharmlosen die Rolle des glühenden Hitler-Verehrers und Antisemiten Dr. Heinrich Reinhardt (*28.3.1894). Lesen Sie mal, was er im Melsunger Tageblatt 1933-1943 verbreitete! Auszüge daraus in dem Buch von Rolf Schmidt über die Gau- und Kreisleiter, S. 490-493.

Beste Grüße

Um der „Sache Dr. Reinhardt“ nachzugehen wurde Dieter Hoppe um Stellungnahme gebeten. Er kennt die Archive und einige Personen, die besagten Dr. Reinhardt noch persönlich kannten.

Seine Stellungnahme ist im Wortlaut ab Seite 3 dieses PDF-Dokumentes veröffentlicht. Ein farbig markierter Einschub wurde am 2. April 2015 ergänzt. Er beginnt auf Seite 9

Einladung vom Präfekten

EinladungBrestIm 1. Weltkrieg geriet der Vater von Dieter Hoppe in französische Kriegsgefangenschaft. Vor vier Jahren hatte Dieter Hoppe über die Erzählungen seines Vaters über das Gefangenenlager auf einer Insel nahe dem Hafen Brest berichtet: Rudolf Hoppes Lebenserinnerungen1.pdf
Es entstand ein Kontakt zur Leitung der Gedenkstätte. Jetzt gibt es eine Einladung zur Gedenkfeier am Ort des Gefangenenlagers.
Der Vorgang zeigt, wie entspannt das Verhältnis zwischen Franzosen und Deutschen ist. Hier die Nachricht von Dieter Hoppe im Wortlaut und dazu ein Bild mit der Einladung aus Frankreich.


Guten Abend Herr Rennert,

Unter Bezugnahme auf verschiedene Gesprächsinhalte schicke ich Ihnen eine Einladung, die ich heute aus Brest in der Bretagne bekommen habe. Sie erinnern sich dort war mein Vater im 1. WK. als Kriegsgefangener. Zu den Veranstaltungen im August d. J. hatte ich auch schon eine Einladung bekommen, der ich leider nicht folgen konnte. Mein Grußwort zur Veranstaltung soll bei allen Teilnehmern sehr gut aufgenommen worden sein.
Ich erwähnte Ihnen gegenüber wohl schon einmal, dass meine Ausführungen zu den Erlebnissen meines Vaters korrekt aufgenommen wurden und auch in der französischen Zusammenfassung wiedergegeben werden. Das hat der Akzeptierung offensichtlich in keiner Weise geschadet, auch wenn die französische Seite an der einen oder anderen Stelle schlecht dabei wegkam. In Deutschland bin ich anderes gewohnt. Sie erinnern sich an das Bild meines älteren Bruders Oskar, das Sie mit entsprechendem Begleittext im Heiligenberg Blog veröffentlicht haben. Das gleiche Bild mit einer entsprechenden Beschreibung hatte ich auch dem Wartberg Verlag zur Verfügung gestellt („Wir Kriegskinder“). Dort wurde alles entfernt, was auf die Amerikaner ein schlechtes Licht warf. Die Franzosen haben sich hier mal wieder viel ehrlicher gezeigt.
Überrascht bin ich, wie viele Hochrangige Persönlichkeiten hinter der Ausstellung stehen. Der Brief wurde in der Operationsbasis der französischen Atom-Uboote ausgestellt.

Mit freundlichen Grüßen
Dieter Hoppe


Anmerkung: Angesichts der weltweiten Kriege und Feindseligkeiten kann man das heutige Verhältnis der ehemaligen Erbfeinde vorbildlich nennen.

… ob sich in 100 Jahren die Palästinenser und die Juden gemeinsam an ihre düstere Vergangenheit erinnern können?

Germania est delenda

churchillViele Erinnerungen kamen mir beim Lesen des Beitrages Germania est delenda [32 Seiten, pdf, 5 MB] von Dieter Hoppe. Es sind lange zurückliegende Eindrücke von den Geburtstagsfeiern meiner Großeltern. Mein konservativer Großvater Albert war nicht nur genau 32 Jahre jünger als der letzte deutsche Kaiser. Er hatte als Schüler an seinem Geburtstag, der auch Kaisers‘ Geburtstag war, immer schulfrei. Mehr als 20 Jahre saß mein Opa für eine zentrumsnahe Bürgerliste im Gemeinderat eines Waldecker Ortsteils. Am 27. Januar kamen zum feiern einige Dorfhonoratioren und Lehrer zusammen, deren politischer und geschichtlicher Fachsimpelei ich interessiert zuhörte: Was wäre, wenn der 1. Weltkrieg nicht im Versailler-Vertrag geendet hätte und Hitler mit seinem Nationalsozialismus keine Chance gehabt hätte? Den Mächtigen aller Nationen ging es vor 100 Jahren vordergründig um die Ehre, aber im Hintergrund um wirtschaftliche Interessen (Imperialismus). Weil die Folgen eines Krieges im Sommer 1914 falsch eingeschätzt wurden, spielten die Regierenden mit dem Feuer und verloren mehr oder weniger alle dabei – bis auf die USA, die gestärkt aus dem Konflikt gingen.

Rudolf Augstein hat vor 16 Jahren einen Artikel zur Vorgeschichte des 1. Weltkrieges geschrieben. Wie auch Dieter Hoppe kommentiert er den oben als Beitragstitel gewählten Slogan der Saturday Review. Dort stand schon im August 1895, also fast zwei Jahrzehnte vor dem 1. Weltkrieg: “Wir Engländer haben bisher stets gegen unsere Wettbewerber bei Handel und Verkehr Krieg geführt. Unser Hauptwettbewerber ist heute nicht mehr Frankreich, sondern Deutschland.”

Krieg war seit der Antike ein Mittel, wirtschaftlich erfolgreiche Mitbewerber auszuschalten. Cato rief deshalb zur Zerstörung Karthagos auf. Churchill ist ein Nachfolger im Geiste in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er erkannte „Es geht nur darum, wer der Stärkste ist.“
Das scheint auf den ersten Blick ähnlich wie bei einer Fußball-WM zu sein. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass solcher Ehrgeiz die Rachegefühle der Verlierer stärkt und der Grund ist, dass Millionen Menschen zu Tode kamen, weil man die Niederlage in der in Versailles beschlossenen Form nicht hinnehmen wollte. Ein demütigendes Kriegsende ist oft der Grund für den nächsten Krieg. In der Ukraine und im Nahen Osten scheint diese Kausalität noch nicht angekommen zu sein.

Direktive Nr. 40 des Alliierten Kontrollrates

US-Amerikaner und ihre Alliierten haben es mit den Menschenrechtskonventionen und der Rechtsstaatlichkeit nicht immer ernst genommen. Je länger ein Krieg dauert, umso mehr sinkt die Hemmschwelle zur Unmenschlichkeit auf allen Seiten. Die von deutscher Seite begangenen Verbrechen wie der Holocaust sind monströs und gut dokumentiert.
Die Direktive Nr. 40 des Alliierten Kontrollrates verhinderte nach dem Krieg unliebsame Berichterstattung, bei denen die Kriegsgegner Deutschlands schlecht wegkamen. Die Vertreibung aus dem Sudetenland und den Gebieten östlich von Oder und Neiße waren genauso tabu wie die hohen Todeszahlen in Kriegsgefangenenlagern. 1,3 Millionen deutsche Soldaten starben erst, nachdem sie entwaffnet und gefangen genommen waren. Die meisten im Osten, aber auch in den USA kontrollierten Rheinwiesenlagern im Westen starben Tausende. Willkür herrschte. Das Rote Kreuz erhielt dort keinen Zutritt.
Seit elektronische Medien verfügbar sind, wird öfter über Exzesse berichtet. Geübte Praxis ist jedoch weiterhin die Siegerjustiz: Eigene Kriegsverbrechen werden verheimlicht und wer petzt wird schwer bestraft, wie der Fall Bradley Manning zeigt.
Die im besetzten Deutschland geschehenen Verbrechen sind jetzt so lange her, dass endlich offen darüber berichtet werden kann. Im Haus der Geschichte findet man z.B.: Berichte über eine standrechtliche Erschießung einer Mutter im Sommer 1945. Vielleicht war es damals angebracht, die freie Berichterstattung zu verbieten, um sich nicht mit endlosem Aufrechnen zu verzetteln, zu relativieren und von den Naziverbrechen abzulenken. 70 Jahre nach den Ereignissen ist es gut, endlich alle Seiten zu Wort kommen zu lassen.

Der von Dieter Hoppe bereitgestellte Beitrag passt zur begonnenen Vervollständigung der Berichterstattung, die damals wegen Einschränkungen der Meinungsfreiheit nicht möglich waren: Brief_an_Ulrike

Vor 100 Jahren wurden geschichtliche Weichen gestellt

An Hitler und Stalin wird man sich auch in 1000 Jahren noch erinnern. Opfer, Beteiligte und indirekt Betroffene wie Oskar Hoppe werden dann meistens vergessen sein. Der 1. Weltkrieg begann vor 100 Jahren. Hitler und Stalin teilten die Reste der in der Folge untergegangenen Reiche auf. Ihre monströsen Taten wären ohne den 1. Weltkrieg nicht geschehen. Die folgende Katastrophe des 2. Weltkrieges endete unter anderem in der Teilung Deutschlands.
Dieter Hoppe war noch ein Kind, als Deutschland geteilt wurde. Jetzt gehört er zur kleiner werdenden Generation, welche direkte Kontakt zu Menschen hatte, die mit den damaligen Geschehnissen konfrontiert waren und die Erinnerungen im Internet veröffentlicht.

Zeitungen berichten jetzt, 100 Jahre nach dem Beginn der 1. Weltkrieges verstärkt über Ausstellungen: Beispiel aus Kassel. Dokumentationen werden öfter als sonst gezeigt.

Dieter Hoppe berichtete schon oft von Menschen, deren Namen nicht die Geschichtsbücher füllen. Gerade das macht diese Berichte interessant und führt zu weltweiten Kontakten zu Menschen, die an Schicksalen von direkt Beteiligten interessiert sind, wenn sie nicht in der 1. Reihe standen. Dieter Hoppe wurde von einem Verleger angesprochen, der einen späteren Melsunger Polizisten auf einem Denkmal für die Deutsche Schutztruppe (1. Weltkrieg) in Namibia gesehen hatte und diesen Namen im „gegoogelten“ Bericht von Hoppe wiederfand. Kürzlich wurde ich um die Herstellung des Kontaktes gebeten, weil ein französischer Professor auf eine Veröffentlichung von Dieter Hoppe über ein Gefangenenlager gestoßen war.

Heute sendete Dieter Hoppe mir folgenden Bericht aus den Nachkriegsjahren in der DDR. Wer sich nicht anpassen wollte hatte damals nur die Wahl zwischen Straflager oder Flucht über das noch nicht eingemauerte Berlin:

Hier die Schilderung von Dieter Hoppe zur plötzlichen Flucht seines Bruders aus der DDR:

Oskars Haftbefehl (in Halle a. d. Saale/DDR)

Mein älterer Bruder Oskar unterrichtete im Sommer 1958 im Chemieunterricht nach Lehrplan das Thema Atomkraft. Von seinem Direktor wurde ihm vorgeworfen, sein Unterricht ließe das richtige gesellschaftspolitische Bewusstsein vermissen. Er hätte darstellen müssen, während die Sowjetunion die Atomkraft (Kernkraft sagte man damals nicht.) ausschließlich zur friedlichen Nutzung zur Erzeugung von elektrischem Strom zum Wohle der Bevölkerung benutzte, würde die imperialistische und kapitalistische USA die friedliebende Sowjetunion mit der Produktion von immer mehr Atombomben bedrohen.

Mein Bruder antwortete ihm daraufhin, das wäre absoluter Blödsinn. Daraufhin erschien in seiner nächsten Chemiestunde eine Arbeiterabordnung aus einem Betrieb zusammen mit Mitgliedern der SED. Diese kanzelten meinen Bruder vor der Klasse im gleichen Sinne ab wie der Direktor zuvor. Sie warfen ihm u.a. vor, mit seiner sozialismusfeindlichen Unterrichtsweise würde er sich als Sabogent des amerikanischen Imperialismus betätigen.

– Das Wort Sabogent – zusammengesetzt aus Saboteur und Agent – war in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein von der SED-Justiz und SED-Propaganda oft benutztes Wort. Der Vorwurf, ein Sabogent zu sein, führte immer zur Verurteilung, i.a mit anschließender Deportation in die SU. Der Verurteilte verschwand dann oft spurlos. Die Rechtsordnung der DDR kannte das Wort Saboteur nicht und es gab auch keine Beschreibung des Straftatbestandes. Der Westen nahm das Wort nicht zur Kenntnis. –

Mein Bruder ließ sich nicht ins Bockshorn jagen und antwortete den Gewaltigen der neuen Herrenklasse vor allen Schülern, was sie da sagten, wäre absoluter Unsinn und wissenschaftlich unhaltbar. Das war zuviel für die neuen Herrenmenschen. Am Nachmittag des gleichen Tages steckte jemand aus dem Polizeipräsidium meinem Bruder: „Für dich ist ein Haftbefehl ausgestellt. Morgen Nachmittag um 15 Uhr sollst du verhaftet werden.“

Meinem Bruder blieb nur ein Ausweg: die Flucht mit Frau und Kind.

Noch am späten Nachmittag informierte er seine Eltern. Diesen war klar, wenn ihr Sohn Oskar floh, waren sie wie bei der Sippenhaft der Nazis auch dran. Mein Bruder Wolfgang hatte ein gutes Jahr vorher fluchtartig die DDR verlassen müssen. Außerdem war kurz zuvor noch ein junger Mann, der bei meinen Eltern wohnte, über Westberlin in den Westen gegangen. Mein Vater hatte ihn noch begleitet, damit der Junge sicher über die Grenze kam. Natürlich erschien die Polizei bei meinen Eltern und wollte wissen, wo der junge Mann geblieben sei. Meine Eltern täuschten Unwissenheit vor, der junge Mann sei eines Tages fort gewesen, wo er geblieben sei, wüssten sie nicht. Das nützte meinem Vater aber nichts. Weil er das Verschwinden nicht angezeigt hatte, musste er Strafe zahlen.

Meine Eltern bereiteten noch am Abend ihre Flucht für den nächsten Tag vor. Die Untermieter meiner Eltern bemerkten abends die Unruhe in der Wohnung und fragten: „Ihr haut wohl ab? Dann hauen wir auch ab.“ Dass man sie u. U. zur Rechenschaft gezogen hätte, weil sie nichts gemeldet hatten, lag nahe.

Am nächsten Tag ging mein Bruder wie alle Tage zuvor mit seiner Aktentasche ganz normal zur Schule. Von der Schule lief er ohne weiteres Gepäck nur mit der Schultasche in der Hand zu Fuß zum Bahnhof. Dort bestieg er den Zug nach Berlin. In dem Zug saßen schon in einem anderen Wagon seine Frau mit Kind und in weiteren Wagen die Eltern und die Untermieter meiner Eltern. Ein kleiner Koffer wurde in einem weiteren Wagon ins Gepäcknetz gelegt.

Tatsächlich wurde dann um 15.00 Uhr die Wohnung meines Bruders aufgebrochen. Der Zug hatte zu dem Zeitpunkt Berlin noch nicht erreicht. Etwas später drang man auch in die Wohnung der Eltern und der Untermieter ein.

Gedenken an Geschichtsereignisse im November

Vor 74 Jahren war der 9. November einer der schwärzesten Tage der deutschen Geschichte: Novemberpogrom 1938
Vor 23 Jahren war der 9. November der Tag der Maueröffnung.
Vor 200 Jahren endete Napoleons Siegeszug in Russland. In der Folge waren russische Soldaten auch an der Befreiung Deutschlands von der Fremdherrschaft Napoleons beteiligt. Den russischen Gefallenen der Freiheitskriege wurde auch noch Jahrzehnte später in Kassel und Melsungen gedacht.
Dieter Hoppe hat einige Beiträge zu den Geschehnissen am Beginn des 19. Jahrhunderts veröffentlicht. Eine russische Schülergruppe besuchte Kassel und setzte sich mit den Geschehnissen vor 200 Jahren auseinander. Deren Interesse ist auch der Auslöser eines Nachtrags von Dieter Hoppe: „Der Freiheit eine Gasse“ – Das Löwendenkmal in Kassel – 200. Jahrestag der Niederlage Napoleons in Russland im Jahre 1812 – Russische Schüler wandeln auf den Spuren von General Tschernitschew in Kassel. [pdf-Datei, 6 Seiten, 916 kb]

Nachdenken über Gedenktafeln

Gedenktafeln_am_ Roten_Turm_ von_Halle

Foto zum Artikel von Dieter Hoppe

Gedenktafeln vereinfachen oft das Geschehen an das gedacht werden soll. Wer nicht am Geschehen beteiligt war, merkt davon nichts. Man nimmt den Text zur Kenntnis und geht weiter. Besteht der Text aus nichtssagenden Worten und Allgemeinplätzen, wird er gleich wieder vergessen.
Am Ende des Krieges hing es oft vom Mut einzelner Persönlichkeiten ab, ob Orte zerstört wurden oder ob sie glimpflich davon kamen. Kürzlich habe ich einen Stollen besichtigt, der zu Goethes Zeiten in Weimar angelegt wurde [Parkhöhle]. Er wurde später zum Luftschutzbunker umgebaut. In 12 Meter Tiefe harrten die Weimarer Bürger dort aus, während die Stadt und damit auch Goethes Haus und weitere wertvolle Kulturgüter im März 1945 zerstört wurden. Dieter Hoppe lebte zur Zeit der Bombardierungen als Schüler in Halle an der Saale. Seine Heimatstadt wurde dank weniger mutiger Persönlichkeiten von der Bombardierung verschont. Felix Graf von Luckner – der Seeteufel aus dem 1. Weltkrieg – war einer der Mutigsten. Er riskierte die standrechtliche Erschießung. Von vielen Seiten wurde er geehrt. Die Stadt jedoch, die dank dieses Mannes von Bomben verschont blieb, installiert eine Hinweistafel deren Inhalt bis auf den Ortsnamen in ihrer Beliebigkeit an vielen Orten befestigt werden könnte. Dieter Hoppe schreibt aus der Rolle des betroffenen Hallensers einen Beitrag welcher die Hintergründe der Nichtzerstörung von Halle darstellt und die handelnden Personen beleuchtet: Gedenktafeln_am_ Roten_Turm_ von_Halle pdf, 8 Seiten.


Nachtrag vom 5. Juni 2012: Dieter Hoppe hatte einen Schriftwechsel mit der Luckner-Gesellschaft aus Halle. Auf deren Website wird auf eine 2. Gedenktafel hingewiesen. Diese Tafel wurde von einer privaten Initiative finanziert. Die Liste der Geehrten enthält auch den Namen von Graf Luckner.

 

Sozialistische Bruderhilfe oder Marshallplan

Zur Rettung Griechenlands wurde kürzlich eine Art Marshallplan vorgeschlagen. Westeuropa gesundete nach dem Krieg dank dieser Marshallplan-Hilfe überraschend schnell.

Die Machtergreifung stalinistischer Kommunisten in der Tschechoslowakei verhinderte dort jedoch die Hilfe zum Wiederaufbau.
Beim Lesen von Dieter Hoppes 6. Teil zur Nachkriegskarikatur erinnerte ich mich auch anderer Zeugen der Tschechischen Nachkriegsgeschichte. Leo Walach war 1968 unser Klassenlehrer. Er lebte als Kind im Sudetenland und wurde als Jugendlicher von dort vertrieben. 1968 war er während der Sommerferien in seiner alten Heimat, als die Tschechoslowakei wieder einmal bevormundet wurde. Er berichtete uns von den vorbeifahrenden Panzerwagen aus den herbeigerufenen sozialistischen Bruderländern. Er sah sie vorbeifahren und beendete wegen der allgemeinen Unsicherheit fluchtartig den Besuch. Bei dieser Erinnerung sah ich mir daraufhin ein Video vom Prager Frühling an.
Viele Details der Erinnerung kamen wieder. Vom damaligen Klassenlehrer Walach, der im Jahr darauf Schulleiter wurde, kann man noch seine Schach-Erfolge im Internet finden. Seine Leidenschaft zum Schachspiel hinterließ Spuren. In einer online nachvollziehbaren Partie aus dem Jahr 2001 hat er nach 54 Zügen gewonnen. Er war in den 60er Jahren mehrfach Schachmeister in Nordhessen. Ohne die Vertreibung nach den Benes-Dekreten wäre er wohl auch Schachmeister im Sudetenland geworden.

Diebstahl zur Zeit der Währungsreform

Quelle: Archiv von Dieter Hoppe1948 ängstigte man sich auf den Bahnhöfen, dass Diebe heimlich den Koffer stehlen. Heute sind Bahnhöfe videoüberwacht und ein Dieb könnte schnell überführt werden. Kurz vor der Währungsreform schien der Diebstahl von Bargeld sinnlos. Das deutet eine Nachkriegskarikatur aus Dieter Hoppes Sammlung an. Dazu passt ein 64 Jahre alter Wochenschaubericht. Er zeigt die Verunsicherung durch eine anstehende Währungsreform.
Die gefährlichen Kriminellen von heute sind keine Diebe, sondern Spekulanten, welche die Unfähigkeit europäischer Politiker nutzen, die Gemeinschaftswährung Euro in den Griff zu bekommen. Bürger aller halbwegs funktionierenden Volkswirtschaften müssen für immer weitere Rettungspakete einstehen. Jedes griechische Haushaltsloch, welches mit unseren Steuergeldern geschlossen wird, reißt neue Löcher auf. Die Brüsseler Krisensitzungen unserer Kanzlerin werden durch Krisensitzungen wegen zwei Bundespräsidentenrücktritten innerhalb von 2 Jahren und Neuwahlen samt dem Gerangel um Kandidaten unterbrochen.

Frühere Europapolitiker haben in ihrer Naivität mit dem Euro ein Finanzkonstrukt gebastelt, welches nicht zu den heterogenen europäischen Strukturen passt. Es nutzt nur einem Teil der Exportwirtschaft und den Währungsspekulanten sowie mafiösen Machteliten in Europas Süden um ihre hinterzogenen Steuermilliarden in der Schweiz und anderen Finanzplätzen sicher anzulegen. Spekulanten ist es gleichgültig, wie schlecht es den Bürgern in ihren Ländern geht. Sie haben kein Interesse an einer funktionierenden Finanzverwaltung wie in Deutschland, den Niederlanden oder in Skandinavien. Die politisch und wirtschaftlich ungebildeten armen Bürger dieser Südländer sehen das Finanzamt auch nur als lästig an und freuen sich selbstmörderisch über jeden schwarz erwirtschafteten Cent und die Rente der längst verstorbenen Oma. Wer so denkt, wird nie ein funktionierendes Gemeinwesen schaffen. Einige Minister scheinen die Notwendigkeit einer Währungsreform für Griechenland erkannt zu haben. Im Angesicht des Machtverlusts geben sie jedoch kleinlaut bei und vergessen, dass ein Ende mit Schrecken für die Südländer besser ist als ein Schrecken ohne Ende. Wenn Deutschland die Hilfsmilliarden nicht weiter sinnlose Rettungspakete steckt, sondern verhindert, dass nach der unvermeidlichen Pleite Griechenlands die Menschen verhungern müssen ist das gut. Wenn dann beim Aufbau eines Gemeinwesens mit effizienten Finanzverwaltungen geholfen wird, dann ist das nachhaltiger als die gegenwärtige Konkursverschleppung und Schuldenpolitik zu Lasten der nächsten Generationen in Europa.

Fazit aus dem 5. Teil zu Dieter Hoppes Erinnerungen anhand von Karikaturen: Nach dem Krieg gab es kleine Diebe die ihre Beute persönlich fort schafften. Heute sorgen die Politiker dafür, dass Banker ihre exorbitanten Bezüge und Boni auf unsere Kosten kassieren können. Ihre Arbeitgeber, die Banken wären sonst oft schon pleite. Diese Form des Diebstahls fällt weniger auf als die Wegnahme der Geldbörse oder des Koffers, der Schaden für Europa und die Moral ist dennoch unvergleichlich.

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