Verfolgung oder Vertreibung

In seiner jüngsten Ausarbeitung beschäftigt sich Dieter Hoppe mit dem jüdischen Lehrer Philipp Dillhoff. Siegfried Bohn hat die Ausarbeitung ins Englische übersetzt. Beide waren bis zu ihrer Pensionierung Lehrer an der Melsunger Geschwister Scholl Schule.
Dilloff
Schicksale, wie das des israelitischen Lehrers Dilloff wiederholen sich derzeit anderenorts: Menschen mit verschiedenen Glaubens- und Lebensanschauungen leben lange friedlich und geachtet miteinander oder nebeneinander her. Unerwartet bringt ein Umsturz und Gewalt alles in Gefahr. Was bleibt ist die Wahl zwischen Flucht und Vernichtung. Flüchtlinge waren und sind selten willkommen. Mit der beginnenden Judenverfolgung im 3. Reich gab es weltweit Bestrebungen, die Zuwanderung von Flüchtlingen zu verhindern. Gebildete reiche Juden, Dienstmädchen und Kinder hatten es leichter, ein Visum zu erhalten. Wer nicht flüchtete kam zumeist in ein KZ und wurde dort ermordet so wie Philipp Dilloff.
Jetzt strömen die Flüchtlinge nicht aus Deutschland weg, sondern sie wollen dort ankommen.
Unsere Bundeskanzlerin handelt vor dem Hintergrund geschichtlicher Erfahrung moralisch richtig. Ob das von der Bevölkerung noch lange mitgetragen wird, ist zumindest zweifelhaft.
Wenn das Leben von Menschen durch verbrecherische Regierungen und Organisationen bedroht wird, muss Zuflucht gewährt werden, wenn einreisende Flüchtlinge bereit sind, unsere Gesetze ausnahmslos zu beachten und nicht die gewährte Gastfreundschaft zu missbrauchen.
Der von Dieter Hoppe zusammengetragene Bericht und die von Siegfried Bohn angefertigte Übersetzung sind als pdf-Dokument abrufbar: 16 Seiten, 1 MB

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Das Erlernen von Sprachen mit Transkriptionen und Übersetzungen in Form von Untertiteln fördern

Für eine Studie zur Erstellung von Lehrmaterial in mehreren Sprachen wurde ein YouTube-Video mit einer Untertitel-Auswahl in 8 Sprachen erstellt. Diese kann der Video-Betrachter über die Einstellungen einblenden lassen. Unter dem Bild sind die Übersetzungen für vier Sprachen in einer Tabelle zusammengefasst. Die deutschen Texte können Sie im Video auch ablesen. Das nutzt Gehörlosen und Menschen, für die Deutsch eine Fremdsprache ist. In der Beschreibung des YouTube-Videos sehen Sie den kompletten transkribierten Text und können ihn über „Ausschneiden“ und „Einfügen“ übersetzen lassen. Am besten geht das jedoch mit der englischen Übersetzung. Da funktioniert der Google-Übersetzer am besten. Den englischen Text finden Sie unterhalb der Tabelle.
UntertitelService

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Ein fehlendes „J“ im Reisepass machte ihn ungültig und bringt den Tod

Die beiden pensionierten Lehrer Dieter Hoppe und Siegfried Bohn tun ihre Kompetenzen zusammen und ein 76 Jahre alter Reisepass mit englischem Visum wird Gegenstand einer Analyse in deutscher und englischer Sprache.

SentaHeerdtReisepass Bei einer anderen Melsungerin fehlte das diskriminierende J im Pass, als sie die Schweizer Grenze passieren wollte. So wurde Paula Levy zurück geschickt und später in einem Konzentrationslager ermordet. Paulas Levys Pass liegt im Marburger Staatsarchiv.
Die ersten 3 Seiten des anhängenden pdf-Dokumentes hatte Dieter Hoppe schon vor Jahren recherchiert. Daran schließt sich jetzt die von Siegfried Bohn angefertigte Übersetzung an. Eine Nachfahrin der ermordeten Paula hatte sich im Frühjahr erkundigt.
Das motivierte die beiden Lehrer, sich mit dem diskriminierenden Passwesen jetzt auch in der englischen Übersetzung zu beschäftigen: Reisepass für Senta Heerdt

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Felsberg gedenkt seiner ermordeten jüdischen Bürger

Die Stolpersteinverlegung am 15. Juni 2015 in Melsungen und in Felsberg fand in Gegenwart eines koreanischen Filmteams statt. Konrad Rennert als der im Impressum genannte Verantwortliche für die Website, wurde Anfang Juni von koreanischen Fernsehredakteuren angesprochen, um Kontakte herzustellen. Er konnte aus dienstlichen Gründen nicht teilnehmen und hat Dieter Hoppe gebeten, das Geschehen zu dokumentieren. Verfasser des folgenden Berichtes und der 9 Fotos ist Dieter Hoppe aus Melsungen.

Die Initiative zu diesen Stolpersteinverlegungen ging zunächst von Schülerinnen der Radko-Stöckl-Schule in Melsungen aus, die dann Schülerinnen der Klasse 11 F13 der Drei-Burgen-Schule in Felsberg dafür begeistern konnten, auch in Felsberg mit der Verlegung von Stolpersteinen zu beginnen.
Von dieser Stolpersteinverlegung erfuhr ein koreanisches Filmteam, das gerade zu Aufnahmen in der Bundesrepublik Deutschland weilt. Die Koreaner hatten davon erfahren, wie man in Deutschland mit der Verarbeitung der Verbrechen der Nazizeit, d.h. der Judenverfolgung umgeht. Die Koreaner hatten im zweiten Weltkrieg schwer unter der japanischen Besetzung zu leiden. Vergangenheitsbewältigung ist zurzeit ein großes Thema in Korea. Korea wartet immer noch auf eine Entschuldigung Japans für die Zwangsprostitution koreanischer Frauen und Mädchen im 2. Weltkrieg. Japan verweigert bislang diese Entschuldigung mit der Begründung, Vergewaltigungen seien seit alters her eine Methode der Kriegsführung, um die Moral der eigenen Truppen zu stärken. Man sollte hier nicht vergessen, auch Truppen der Sieger in Europa haben vielfach Vergewaltigungen oft verbunden mit Ermordungen begangen, wenn auch nicht in dem organisierten Umfang, wie die Japaner die Zwangsprostitution organisierten sondern im allgemeinen als reine Willkürakte. Eine Entschuldigung ist auch von dort nie gekommen.

Wegen des koreanischen Filmteams wich Frau Dr. Mahler-Heckmann bei dem Beginn der Steinverlegung vom üblichen Eröffnungsritual ab und berichtete von der Entstehung und Entwicklung der Stolpersteininitiative in Melsungen. Sowohl in Melsungen wie in Felsberg kamen dann weitere Redner zu Wort. Dazu gehörten auch Schülerinnen in Melsungen wie in Felsberg. Sie berichteten von Ernst Levy, der wegen seiner Liebe zu einem christlichen Mädchen Melsungen verlassen musste und deshalb 1933 nach Köln verzog. Danach legten sie zwei weiße Rosen neben dem verlegten Stein nieder.


Bild 01: Die Schülerinnen Julia Hettstedt und Aline Apel mit je einer weißen Rose in der Hand von der Radko-Stöckl- Schule. Neben ihnen zwei junge Koreanerinnen. Sie knien vor dem verlegten Stolperstein. Die weißen Rosen wurden daneben abgelegt.
Bild 02: Kameramann Mujin Lee, daneben Sang Min Lee.
Bild 03: Frau Dr. Mahler-Heckmann im Gespräch mit der Leitung des Filmteams. Im Hintergrund Frau Meurer als Mitorganisatorin der Melsunger Initiative.
Bild 04: Der in Melsungen verlegte Stolperstein mit der Inschrift: Hier wohnte Ernst Levy/ Jg. 1912/ Unfreiwillig verzogen/ 1933 Köln/ Flucht Holland/ Interniert Westerbork/ Deportiert 1943/ Sobibor/ Ermordet 16.7.1943
Bild 05: Das Felsberger Stadtbauamt war eingebunden und hat die Verlegestelle vorbereitet
Felsberg
Bild 06: Frau Dr. Mahler-Heckmann im Gespräch mit dem Künstler Demnig und dem Schulleiter Dr. Dieter Vaupel.
Bild 07: Der Künstler Demnig, umgeben von den Schülerinnen, dem Kamerateam aus Korea und weiteren Besuchern vor dem Haus mit der 1. Felsberger Verlegestelle.
Bild 08: Zuschauer und Mitglieder der liberalen jüdischen Gemeinde.
Bild 09: Drei Stolpersteine mit einer Kurzbiographie der verfolgten Felsberger Bürger jüdischen Glaubens:

HIER WOHNTE HIER WOHNTE HIER WOHNTE
IISAAK KRUCK SIEGMUND KRUCK MALCHEN KRUCK
JG: 1866 JG.1912 JG.1878
IINTERNIERT 1940 UNFREIWILLIG VERZOGEN DEPORTIERT 1941
LAGER WARTEKUPPE 1935 FRANKFURT A.M. RIGA
TOT 26.12.1940 SCHICKSAL UNBEKANNT ERMORDET

Das Haus am Verlegeort gehört der liberalen jüdischen Gemeinde von Felsberg. Der Verein zur Rettung der Synagoge Felsberg will das Haus als Gästehaus herrichten. Felsbergs Stadtverordnetenvorsteher bedankte sich bei den Schülerinnen, dass sie einen so langen Atem besessen hatten, um das Projekt durch zuziehen. Die Schülerinnen der Radko-Stöckl-Schule in Melsungen hatten nicht nur Geld für das Projekt gesammelt sondern auch die Felsberger Schülerinnen davon überzeugt, so dass am 15. Juni insgesamt vier Stolpersteine verlegt werden konnten.
In Felsberg war auch noch eine Zeitzeugin zugegen, Frau Margarete Wendel. Sie lebt bis heute in ihrem Elternhaus in der Obergasse. Gleich nebenan wohnte früher Malchen Kruck. Es wurde von Felsberger Seite der Wunsch geäußert, weitere Stolpersteine zu verlegen. – In anderen Orten sieht es da leider anders aus. Schulleiter Dr. Dieter Vaupel nannte als nächsten Termin das Frühjahr 2016 und als Verlegeort die Stelle vor der Eisdiele. Die Veranstaltung wurde mit einem liturgischen Gesang durch ein weibliches Mitglied der liberalen jüdischen Gemeinde von Felsberg beendet.

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Stolpersteine „Gegen das Vergessen“

PaulaLevyPassbildMelsunger Bürgern mit jüdischem Glauben wird mit Stolpersteinen gedacht wenn sie während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden.
In Erinnerung werden aber auch die ehrenamtlichen Autoren der zugehörigen Website bleiben. Sie sind die Ansprechpartner für Hinterbliebene und Interessierte aus aller Welt. Selbst Jahre nach der Veröffentlichung sind die ehrenamtlich erstellten Informationsseiten noch Gegenstand von Anfragen an die Redaktion.
Das Impressum ist für die Kontaktaufnahme wichtig, weil die Adresse des dort genannten Websitekümmerers  das Ziel von Anfragen ist. Der Angeschriebene prüft die Seriosität und leitet ernst gemeinte Anfragen an die zuständigen Redakteure oder den Vorstand des Vereins weiter.
Kürzlich waren zwei bemerkenswerte Anfragen dabei. Weiterlesen

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Ist eine Geschichtsverbesserung bei den Melsunger Stolpersteinen notwendig?

Die Stolpersteinseite der Melsunger erregt Anstoß bei einem Marburger Historiker

Hintergrund: Im Internet bereit gestellte Texte werden global wahrgenommen. Sie können danach dank Google & Co. nicht mehr völlig aus der Welt geschafft werden, selbst wenn die Betroffenen und die Zensur das wünschen.

zensur-neindankeDie persönliche Meinung des Autors ist: Unsere Presse- und Meinungsfreiheit könnte mit Datenschutzargumenten bald unter die Räder kommen. Einen Artikel in der Netzpolitik zufolge könnten selbst ernannte Geschichtsverbesserer demnächst versuchen, eigene Interessen durchzusetzen: Per Gesetz dürfen missliebige Suchergebnisse nicht mehr angezeigt werden. Man muss nur eine passende Begründung für das Recht auf Vergessen konstruieren. Das ist schleichende Zensur: Was bei Google und Wikipedia nicht mehr auftaucht ist praktisch nicht existent. Die jüngere Generation schaut kaum noch in Bücher und papierene Archive. Alles wird dank der Suchmaschinen sofort im Internet bereitgestellt. Bücherstudium ist ziemlich out…

Der reduzierte Blick birgt Gefahren, denen man mit Vorgaben begegnen möchte. Es kommt die Frage: Wo jedoch liegt die Grenze tolerierbarer Veröffentlichungen?

In Deutschland darf veröffentlicht werden, was mit unserer Gesetzeslage vereinbar ist. In anderen Ländern ist das Gleiche strafbar. Hier darf man Satire im Stil von charlie hebdo schreiben: „2014: Russland besetzt die Krim und die Ostukraine, 2015: Griechenland ist pleite und konfisziert deutsche Immobilien, 2016 Griechenland interniert die letzten deutschen Touristen, um Lösegeld in Milliardenhöhe für deren gesunde Heimkehr zu fordern…“

Derartige Spekulation ist zulässige Satire. Man kann allenfalls Gegendarstellungen erwirken, z.B.: „2016 wird kein deutscher Tourist Griechenland betreten, weil das Außenministerium rechtzeitig zu Weihnachten 2015 eine Reisewarnung veröffentlicht hat. Griechische Ziele können danach nur noch per Umstieg in Moskau oder Simferopol (Krim) angeflogen werden… “

Als verantwortlicher Journalist, Redakteur und Freund guter Realsatire schätze der Autor die liberale deutsche Praxis und will mit diesem Beitrag konsequent sein. Bilden Sie sich eine persönliche Meinung zum nachfolgend geschilderten Sachverhalt. Sachliche Entgegnungen aus der Leserschaft werden gerne aufgegriffen, um sie zu veröffentlichen:

Die Replik beginnt mit den Fakten auf der Stolpersteinseite: Wenn man über das Suchformular der Stolpersteine Melsungen den Namen Reinhardt eingibt, erhält man genau vier Treffer.

Es sind Berichte von Zeitzeugen über einen Akademiker, der sich mit den Nazis einließ. Die Zeugen haben das Handeln und die Person des Dr. Reinhardt aus dem zeitlichen Kontext geschildert. Den Augen- und Ohrenzeugenberichten steht Archivmaterial gegenüber. Das bewegte einen Historiker aus Marburg die folgenden Zeilen an die Redaktion zu schreiben:

Hallo,

das Eintragen ins Gästebuch funktioniert bei Ihnen nicht. Daher wähle ich diesen Weg. Mir scheint, Sie verharmlosen die Rolle des glühenden Hitler-Verehrers und Antisemiten Dr. Heinrich Reinhardt (*28.3.1894). Lesen Sie mal, was er im Melsunger Tageblatt 1933-1943 verbreitete! Auszüge daraus in dem Buch von Rolf Schmidt über die Gau- und Kreisleiter, S. 490-493.

Beste Grüße

Um der „Sache Dr. Reinhardt“ nachzugehen wurde Dieter Hoppe um Stellungnahme gebeten. Er kennt die Archive und einige Personen, die besagten Dr. Reinhardt noch persönlich kannten.

Seine Stellungnahme ist im Wortlaut ab Seite 3 dieses PDF-Dokumentes veröffentlicht. Ein farbig markierter Einschub wurde am 2. April 2015 ergänzt. Er beginnt auf Seite 9

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Kollaboration im Osten – Schwere Nachkriegskost von Dieter Hoppe

wl2Hintergrund: Vor dem ersten Weltkrieg war Europa multikulturell. Die Volkswirtschaften waren vernetzt und die Herrscher der größten und mächtigsten Reiche waren verwandt und verschwägert. Es gab weder Kommunismus noch Nationalsozialismus, die Siedlungsgebiete die Völker waren noch nicht ethnisch gesäubert. Polnische Menschen siedelten sich als Arbeiter in den Industriegebieten Deutschlands an. Deutschlands Wirtschaft blühte bis zum Kriegsausbruch. Die Arbeitslosenquote war die niedrigste in Europas. Der europäische Handel hatte eine Vernetzung deren Grad erst nach 100 Jahren wieder übertroffen werden sollte.
Deutsche hatten einen guten Ruf. Sie lebten schon seit Jahrhunderten friedlich im Baltikum, in Russland und vielen anderen Staaten Ost- und Südosteuropas. In fast allen Staaten gab es jüdische Bevölkerungsanteile. Konflikte zwischen den vielen Völkern gab es zwar schon vor 1914, aber sie waren seltener als heute. Dann brach die Katastrophe aus, in deren Folge Bolschewismus und Nationalsozialismus nicht nur die Landkarten veränderten, sondern auch Millionen Menschen in Lagern ermordet wurden, wenn man der falschen Gruppe zugehörte.

Dieter Hoppe hat in vielen Beiträgen seine Sicht der Dinge geschildert, wie sie sich mit Fakten belegen lassen. Im ca. 2 Stunden langen Videokommentar bezieht er sich (unten) auf die von der ARD gesendete Dokumentation „Wlassow – Zweier Teufel General“ und das Schicksal der Kosaken, die infolge der erlittenen Verfolgungen durch Stalin auch zu den Hilfswilligen der Nazis aus dem Gebiet der Sowjetunion gehörten. Der Film liegt vor, er ist aber nicht frei zugänglich. Der Hintergrund kann mit Beiträgen aus „ZEIT-online: Zweier-Teufel-General“ und aus der „Wikipedia: Lienzer Kosakentragödie“ beleuchtet werden.
Das von Dieter Hoppe überreichte Video musste in 2 Teile zerlegt werden, weil es sonst nicht auf dieser Plattform hochgeladen werden konnte.

 

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Einladung vom Präfekten

EinladungBrestIm 1. Weltkrieg geriet der Vater von Dieter Hoppe in französische Kriegsgefangenschaft. Vor vier Jahren hatte Dieter Hoppe über die Erzählungen seines Vaters über das Gefangenenlager auf einer Insel nahe dem Hafen Brest berichtet: Rudolf Hoppes Lebenserinnerungen1.pdf
Es entstand ein Kontakt zur Leitung der Gedenkstätte. Jetzt gibt es eine Einladung zur Gedenkfeier am Ort des Gefangenenlagers.
Der Vorgang zeigt, wie entspannt das Verhältnis zwischen Franzosen und Deutschen ist. Hier die Nachricht von Dieter Hoppe im Wortlaut und dazu ein Bild mit der Einladung aus Frankreich.


Guten Abend Herr Rennert,

Unter Bezugnahme auf verschiedene Gesprächsinhalte schicke ich Ihnen eine Einladung, die ich heute aus Brest in der Bretagne bekommen habe. Sie erinnern sich dort war mein Vater im 1. WK. als Kriegsgefangener. Zu den Veranstaltungen im August d. J. hatte ich auch schon eine Einladung bekommen, der ich leider nicht folgen konnte. Mein Grußwort zur Veranstaltung soll bei allen Teilnehmern sehr gut aufgenommen worden sein.
Ich erwähnte Ihnen gegenüber wohl schon einmal, dass meine Ausführungen zu den Erlebnissen meines Vaters korrekt aufgenommen wurden und auch in der französischen Zusammenfassung wiedergegeben werden. Das hat der Akzeptierung offensichtlich in keiner Weise geschadet, auch wenn die französische Seite an der einen oder anderen Stelle schlecht dabei wegkam. In Deutschland bin ich anderes gewohnt. Sie erinnern sich an das Bild meines älteren Bruders Oskar, das Sie mit entsprechendem Begleittext im Heiligenberg Blog veröffentlicht haben. Das gleiche Bild mit einer entsprechenden Beschreibung hatte ich auch dem Wartberg Verlag zur Verfügung gestellt („Wir Kriegskinder“). Dort wurde alles entfernt, was auf die Amerikaner ein schlechtes Licht warf. Die Franzosen haben sich hier mal wieder viel ehrlicher gezeigt.
Überrascht bin ich, wie viele Hochrangige Persönlichkeiten hinter der Ausstellung stehen. Der Brief wurde in der Operationsbasis der französischen Atom-Uboote ausgestellt.

Mit freundlichen Grüßen
Dieter Hoppe


Anmerkung: Angesichts der weltweiten Kriege und Feindseligkeiten kann man das heutige Verhältnis der ehemaligen Erbfeinde vorbildlich nennen.

… ob sich in 100 Jahren die Palästinenser und die Juden gemeinsam an ihre düstere Vergangenheit erinnern können?

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Helga Apsen: The first Bomb hit the garden

Zum Artikel im "Dixon Evening Telegraph" in Illinois

Den Artikel im „Dixon Evening Telegraph“ in Illinois, USA erreichen Sie mit einem Klick auf das Bild aus dem Jahr 1952

In der Nacht zum Erntedanktag 2014 ist Helga Apsen im Alter von 90 Jahren in Kassel verstorben. Elke Rennert ist eine Verwandte aus der Linie ihrer Mutter Marie. Sie kannte und besuchte sie und ihre Schwester Ingrid sowie deren alte Mutter Marie seit mehr als 40 Jahren. Nach dem Tod der letzten aus der Kasseler Familie Apsen ist sie mit der Aufarbeitung ihres umfangreichen Nachlasses in Form von unzähligen Bildern und Dokumenten beauftragt. Die spätere Journalistin Helga Apsen wuchs in Kassel auf und saß mit Mutter und Schwester in einer der Kasseler Bombennächte im Haus, als die Stockwerke über ihnen zerstört wurden. Nach dem Abitur an der Malwida-von-Meysenbug-Schule (1940 in Heinrich-Schütz-Schule umbenannt) war sie im Alter von 19 zunächst in der Bürgerschule in Bettenhausen als „Laienlehrkraft“ tätig. Nach der verheerenden Bombennacht im Oktober 1943 wurde sie zunächst in der Vermisstensuchstelle und danach im Kriegssachschädenamt eingesetzt. Weiterlesen

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Germania est delenda

churchillViele Erinnerungen kamen mir beim Lesen des Beitrages Germania est delenda [32 Seiten, pdf, 5 MB] von Dieter Hoppe. Es sind lange zurückliegende Eindrücke von den Geburtstagsfeiern meiner Großeltern. Mein konservativer Großvater Albert war nicht nur genau 32 Jahre jünger als der letzte deutsche Kaiser. Er hatte als Schüler an seinem Geburtstag, der auch Kaisers‘ Geburtstag war, immer schulfrei. Mehr als 20 Jahre saß mein Opa für eine zentrumsnahe Bürgerliste im Gemeinderat eines Waldecker Ortsteils. Am 27. Januar kamen zum feiern einige Dorfhonoratioren und Lehrer zusammen, deren politischer und geschichtlicher Fachsimpelei ich interessiert zuhörte: Was wäre, wenn der 1. Weltkrieg nicht im Versailler-Vertrag geendet hätte und Hitler mit seinem Nationalsozialismus keine Chance gehabt hätte? Den Mächtigen aller Nationen ging es vor 100 Jahren vordergründig um die Ehre, aber im Hintergrund um wirtschaftliche Interessen (Imperialismus). Weil die Folgen eines Krieges im Sommer 1914 falsch eingeschätzt wurden, spielten die Regierenden mit dem Feuer und verloren mehr oder weniger alle dabei – bis auf die USA, die gestärkt aus dem Konflikt gingen.

Rudolf Augstein hat vor 16 Jahren einen Artikel zur Vorgeschichte des 1. Weltkrieges geschrieben. Wie auch Dieter Hoppe kommentiert er den oben als Beitragstitel gewählten Slogan der Saturday Review. Dort stand schon im August 1895, also fast zwei Jahrzehnte vor dem 1. Weltkrieg: „Wir Engländer haben bisher stets gegen unsere Wettbewerber bei Handel und Verkehr Krieg geführt. Unser Hauptwettbewerber ist heute nicht mehr Frankreich, sondern Deutschland.“

Krieg war seit der Antike ein Mittel, wirtschaftlich erfolgreiche Mitbewerber auszuschalten. Cato rief deshalb zur Zerstörung Karthagos auf. Churchill ist ein Nachfolger im Geiste in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er erkannte „Es geht nur darum, wer der Stärkste ist.“
Das scheint auf den ersten Blick ähnlich wie bei einer Fußball-WM zu sein. Auf den zweiten Blick erkennt man, dass solcher Ehrgeiz die Rachegefühle der Verlierer stärkt und der Grund ist, dass Millionen Menschen zu Tode kamen, weil man die Niederlage in der in Versailles beschlossenen Form nicht hinnehmen wollte. Ein demütigendes Kriegsende ist oft der Grund für den nächsten Krieg. In der Ukraine und im Nahen Osten scheint diese Kausalität noch nicht angekommen zu sein.

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