Jahresrückblick 2003

Felsberg, 31. 12. 2003

Liebe Freunde und Kollegen,

weil ich im letzten Jahr mal wieder nicht so viele persönlichen Kontakte pflegen konnte, wie es eigentlich wünschenswert ist, habe ich zumindest am letzten Tag des Jahres ein paar Gedanken zu PC gebracht:

„Die etwas können, tun es
die es nicht können, lehren es
die es nicht tun und nicht lehren können, verwalten es“

Dieses etwas bissige Zitat ist mir kürzlich aufgefallen und hat mich angeregt, über Menschen in meinem Umfeld und in unserem Land nachzudenken – (über mich auch!). Tut er/sie noch etwas oder verwaltet er/sie schon oder nur noch?
Die erste Gruppe (Tun) könnte besonders bei Politikern gestärkt werden. Wie schön wäre es, wenn Politiker, die etwas könnten, es auch tun, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit. Am Ende des Jahres gab es Anzeichen, dass etwas zum besseren gewendet werden könnte. Aber bekanntlich muss man dicke Bretter lange bohren. Man hat am Jahresende den positiven Eindruck, dass die Gruppe derer, die etwas tun will, größer wird. Nur das alte bewahren und verwalten bringt uns nicht weiter.

Im letzten Jahr habe ich begonnen, meine Seminare im Internet verfügbar zu machen. Das Publikumsinteresse ist da und von den Traffic-Kennziffern kann ich mich mit mancher viel bekannteren Webseite messen. Der finanzielle Erfolg dieser Aktion lässt noch auf sich warten. Dass Geiz geil ist, haben wir aus der Werbung vernommen – wenn es um digitale Urheberrechte geht, ist Diebstahl wohl noch viel geiler. Mein Glück ist, dass ich nicht wie viele Künstler vom Verkauf digitaler Produkte leben muss.

Das Neue Jahr könnte in meiner Familie einige Feierlichkeiten bringen, sofern keine dramatischen Ereignisse eintreten und Feiern ausschließen: Es steht eine Hochzeit, eine Silberhochzeit und eine Goldene Hochzeit an. Seit ich „Jopi Heesters“ gesehen kürzlich habe, der auch mit 100 Jahren noch versucht, beruflich aktiv zu sein, schmerzt mich mein im nächsten Herbst anstehender runder Geburtstag auch nicht mehr, weil ich dann ja „nur halb so alt“ bin. Ob ich allerdings auf meinem Gebiet noch 50 Jahre aktiv sein kann, wage ich denn doch zu bezweifeln zumal sich die ersten Freunde und Bekannten mit dem Ruhestand beschäftigen. Das Wort Ruhestand hat für mich etwas Endgültiges weil sich nichts Irdisches daran anschließt. Nur der Glaube an ein „Danach“ kann dann noch hoffen lassen – auf jeden Fall ist dann nichts mehr so, wie es mal war.

Das Weihnachtserdbeben im Iran hat gezeigt, wie machtlos die Menschen sein können und wie dankbar wir in unserem Lande sein können, dass uns seit 1945 derartige Zerstörung verschont hat.
Wir haben nur kleine Krisen, die bisher immer bewältigt werden konnten. Heute genau vor 30 Jahren lernte ich meine Frau kennen. Im Winter 73/74 gab es die erste Ölkrise und an wenigen Sonntagen durfte kein Auto gefahren werden, so dass wir unsere ersten Treffen etwas nach den Fahrverboten ausrichten mussten, weil wir an verschiedenen Orten wohnten. Die Ölkrise von damals löst heutzutage fast Nostalgie aus, wenn man die Bilder der Radfahrer und der leeren Autobahn sieht. Für ca. ein halbes Jahr durften wir damals nur 100 km/h auf der Autobahn und 80 km/h auf der Landstraße fahren und das Benzin für mein erstes Auto verteuerte sich in dieser Zeit von ca. 60 auf 80 Pfennig pro Liter.
Mit der offenen Frage, wie könnte die aktuelle Situation und ihre Bewältigung in unserem Land in 30 Jahren beurteilt werden, verbleibe ich mit den besten Wünschen für das neue Jahr.

Konrad Rennert

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