Ostern besuchten wir Freunde in den französischen Ardennen.

Unsere Eltern bzw. Großeltern lernten sich unfreiwillig im 2. Weltkrieg kennen, als französische Kriegsgefangene zum Arbeitseinsatz auf deutsche Bauernhöfe verschleppt wurden. Dabei entstanden Kontakte, die Jahre nach dem Krieg wieder aufgenommen wurden. Man besuchte sich in Frankreich oder in Deutschland. In diesem Jahr waren wir bei den Kindern bzw. Enkeln des mittlerweile verstorbenen französischen Freundes der Vorfahren meiner Frau.

Nach französischer Sitte wurde stundenlang gemeinsam gegessen. Nach dem Ostermahl liefen wir zum Schloss von Hierges, welches in der französischen Revolution niedergebrannt wurde und jetzt zu einem kleinen Teil wieder genutzt wird. An wenigen Tagen gewähren die Nachfahren des belgischen Barons, der die Schlossruine 1925 erworben hat, die Möglichkeit zur Besichtigung. Wir trafen einen alten Herrn zufällig im Wald vor dem Schloss. Er hat wohl sofort unser Interesse an der Geschichte des Bauwerks erkannt und führte uns fast 2 Stunden durch das weitläufige Schloss und seinen Park. Er konnte sehr gut Deutsch sprechen und erklärte zweisprachig im fliegenden Wechsel mal unseren französischen Freunden und mal uns die Geschichte der Schlossherrn seit den Kreuzzügen.

Im Treppenhaus hingen zwei Gemälde von Generälen – seinem Vater und seinem Großvater. Der Großvater kämpfte im ersten Weltkrieg mit seiner belgischen Kavallerieeinheit gegen die Deutschen, die im neutralen Belgien einmarschiert waren. Die Belgier gewannen die Schlacht von Haelen. Allerdings hatten sie mehr als dreimal so viele Tote (500) zu beklagen wie die Deutschen (150 tote Soldaten und 400 Pferde) . Die Kavallerie wurde danach nie mehr eingesetzt. Sie war mit ihren Lanzen und Säbeln in den Zeiten der Maschinengewehre und des Giftgases nicht mehr zeitgemäß.

Glücklicherweise sind die Kriegszeiten im größten Teil Europas Geschichte. Unser österliches Erlebnis in Frankreich zeigt als ein kleines Beispiel, dass Menschen aus verschiedenen Nationen trotz blutiger Kämpfe ihrer Vorfahren auch friedlich und freundschaftlich miteinander auskommen.
In Europa hat man nach vielen Kriegen aus der Geschichte gelernt. Im nahen Osten wird es wohl noch viele Gemetzel geben, bis zukünftige Generationen friedlich gemeinsam feiern und sich ohne Hass an frühere Zeiten erinnern können.
Der alte Baron hat mich mit seiner spontanen Führung durch sein Schloss und die Geschichte sehr beeindruckt.