50 Jahre und keine EU-Verfassung

Nach den heutigen Jubelfeiern in Berlin habe ich gedacht, was wird die Kanzlerin wohl wirklich über die Männer um sie herum denken, die sich da zu einem Gruppenfoto mit Dame drapierten.
Einige, vor allem die Skeptiker, werden die EU nur als Melkkuh betrachten, aus der möglichst viele Gelder abzugreifen sind und sie werden dann ihr eigenes Süppchen kochen wollen, ohne Rücksicht auf europäische Interessen. Wer, wie ich, die Mittelstreckenraketenbeschlüsse in den 70er und 80er Jahren bewusst miterlebt hat, macht sich seine Gedanken über Polen und Tschechen, die amerikanische Raketen nach Europa holen wollen und damit erneut ein Wettrüsten heraufbeschwören werden. Der 11. September 2001 hat gezeigt, dass nur mit technischer Aufrüstung gegen Fundamentalisten kein Mittel gegeben ist. Wenn man keine Bombe mit Raketen durch den Weltraum auf den vermeintlichen Gegner schießen kann, dann nimmt man junge Fanatiker, die ihr Leben nach dem Selbstmordattentat im Paradies fortsetzen wollen…
Den Schaden, den solche nationalen Alleingänge da auslösen werden, ist unermesslich und degradiert Europa zu einer Geldumverteilbürokratie mit starker Währung aber ohne jegliche politische Bedeutung.
Europa wird nie die Homogenität der USA als Zusammenschluss von Staaten erreichen, aber eine gemeinsame Verfassung, Wirtschafts-, Außen- und Sicherheitspolitik sollte schon bald sein.
Notfalls sollten die Länder, die mehr möchten als bisher, ausscheren und auf neuer Basis etwas gründen, was für die Bürger attraktiver ist, als das derzeitig aktuelle Bürokratiemonster, das sich EU nennt.
Darüber sollten dann die Bürger direkt abstimmen und nicht die Parlamente. Dann können wir uns auch mit einem Europa identifizieren, welches uns nicht nur von oben aufgedrückt wird. Ein gewählter europäischer Präsident oder Präsidentin ist allemal populärer, als die nicht von der Bevölkerung gewählten Kommissare als Bürokratievorsteher. Wie können da Asiaten, Afrikaner oder Südamerikaner Europa als demokratisches Gebilde wahrnehmen, wenn es keine von der Bevölkerung gebilligte Verfassung und eine gewählte Regierung hat und in derem lockeren, politisch machtlosen Kleinstaatenverbund einzelne Mitglieder Raketen fremder Großmächte ohne Absprache stationieren können?

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