Angebote zur Geschichte: Mainstreamküche oder lokale Spezialitäten?

Die Assoziation zum Essen kam mir in den Sinn, nachdem ich mit Dieter Hoppe über die Veröffentlichung seiner umfangreichen historischen Beiträge und Sammlungen geredet hatte.

Im ersten Gespräch mit dem früher als Geschichts- und Chemielehrer tätigen Historiker erhielt ich einen Eindruck über sein den meisten Menschen unbekanntes Detailwissen zu vielen geschichtlichen Themen.
Die Überschrift ist also im übertragenen Sinn zu verstehen: Seit Jahrzehnten besuche ich eine Kantine mit guter Essensqualität, aber außer den Gesichtern des Serviceteams und der konzernweit standardisierten Geschmacks- und Zubereitungsrichtung habe ich kaum eine konkrete Erinnerung an eine der Mahlzeiten. Anders ist es, wenn ich etwas in ungewohnter Umgebung oder Situation verspeise. Eine Mahlzeit in „Theos Taverne“ im Frühjahr 2003 auf Kreta habe ich noch detailgenau in Erinnerungen, weil der Irakkrieg gerade begonnen hatte und uns der Tavernenchef einen Tag vor der Öffnung nach der Winterpause kostenlos bewirtete. Ebenso das erste Mittagessen in einem Gothaer Plattenbau Anfang 1990, bei dem es Kartoffelpuffer und Apfelkompott gab.
Mit dem guten Kantinenessen assoziiere ich dabei die durchgestylten historischen Beiträge von Guido Knopp, welche nach einem bewährten Schema geschmacklich für das Massenpublikum des Fernsehens produziert wurden. Wenig bleibt mir im Gedächtnis haften, weil nichts wirklich Neues für mich dabei ist. Die spontane Mahlzeit in Theos kretischem Lokal und das Essen bei einer Familie in der untergehenden DDR passen im gewählten Vergleich zu Dieter Hoppes historischen Beiträgen. Hoppe lässt seine persönlichen Lebenserinnerungen und seine Begabung zur umfassenden Recherche einfließen. Diese wurden im Studium durch seinen Professor systematisch ausbildet. So erfährt man Unvorhergesehenes und Ungeahntes beim Lesen der Vorträge und Aufsätze statt üblichem Mainstreamgeschichtsfernsehen. Man muss jedoch viel Zeit haben, um das Neue aufzunehmen und die vielschichtigen Hintergründe zu verstehen.
Ein Gigabyte Datenmaterial, welches der Historikers in Jahren zusammengetragen hat, floss in nur 13 Minuten von Dieter Hoppes PC auf meinen zum Gespräch mitgebrachten Memory Stick. Nebenbei zeigte mir der pensionierte Historiker auch sehr kleine Briefmarken aus Süd-Westafrika welche zu Beginn der 40er Jahre gedruckt wurden. Das Briefmarkenformat wurde nach Beginn des 2. Weltkrieges so klein gehalten, weil als Folge des Deutschen U-Bootkrieges nicht mehr so viel Spezialpapier aus dem kriegführenden England auf Schiffen herangeschafft werden konnte.
Eine Briefmarke ist auch auf dem Titelblatt des ersten Vortrages zu sehen, mit dem ich Dieter Hoppes Vortragsreihe einleite:
Den Vortrag über den Ururgroßonkel des DIHK-Präsidenten und Vorstandsvorsitzenden Ludwig-Georg Braun habe ich persönlich in diesem Jahr in der Stadthalle in Melsungen gehört: „Otto Philipp Braun, Großmarschall von Montenegro, 1798-1867 – Ein nordhessischer Unternehmer in Lateinamerika“.

Sobald Dieter Hoppe wieder den Arm aus einer von Medizinern verordneten Schlinge ziehen kann, wird er Kurzbeschreibungen seiner vollständig im PDF-Format bereitgestellten Beiträge verfassen und auch auf das möglicherweise eintreffende Feedback antworten. Sie werden aus erster Hand Berichte von einem Menschen hören, für den die Beschäftigung mit Geschichte nicht nur Beruf, sondern auch Berufung war. Ein kurzes persönliches Statement von Ihm finden Sie auf der Website der Melsunger Stolpersteine .

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