Nachdenken über Gedenktafeln

Gedenktafeln_am_ Roten_Turm_ von_Halle

Foto zum Artikel von Dieter Hoppe

Gedenktafeln vereinfachen oft das Geschehen an das gedacht werden soll. Wer nicht am Geschehen beteiligt war, merkt davon nichts. Man nimmt den Text zur Kenntnis und geht weiter. Besteht der Text aus nichtssagenden Worten und Allgemeinplätzen, wird er gleich wieder vergessen.
Am Ende des Krieges hing es oft vom Mut einzelner Persönlichkeiten ab, ob Orte zerstört wurden oder ob sie glimpflich davon kamen. Kürzlich habe ich einen Stollen besichtigt, der zu Goethes Zeiten in Weimar angelegt wurde [Parkhöhle]. Er wurde später zum Luftschutzbunker umgebaut. In 12 Meter Tiefe harrten die Weimarer Bürger dort aus, während die Stadt und damit auch Goethes Haus und weitere wertvolle Kulturgüter im März 1945 zerstört wurden. Dieter Hoppe lebte zur Zeit der Bombardierungen als Schüler in Halle an der Saale. Seine Heimatstadt wurde dank weniger mutiger Persönlichkeiten von der Bombardierung verschont. Felix Graf von Luckner – der Seeteufel aus dem 1. Weltkrieg – war einer der Mutigsten. Er riskierte die standrechtliche Erschießung. Von vielen Seiten wurde er geehrt. Die Stadt jedoch, die dank dieses Mannes von Bomben verschont blieb, installiert eine Hinweistafel deren Inhalt bis auf den Ortsnamen in ihrer Beliebigkeit an vielen Orten befestigt werden könnte. Dieter Hoppe schreibt aus der Rolle des betroffenen Hallensers einen Beitrag welcher die Hintergründe der Nichtzerstörung von Halle darstellt und die handelnden Personen beleuchtet: Gedenktafeln_am_ Roten_Turm_ von_Halle pdf, 8 Seiten.


Nachtrag vom 5. Juni 2012: Dieter Hoppe hatte einen Schriftwechsel mit der Luckner-Gesellschaft aus Halle. Auf deren Website wird auf eine 2. Gedenktafel hingewiesen. Diese Tafel wurde von einer privaten Initiative finanziert. Die Liste der Geehrten enthält auch den Namen von Graf Luckner.

 

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