Dokument einer Improvisation

Seit einer Woche sehen wir, wie Menschen in Katastrophensituationen improvisieren müssen. Freiwillige Feuerwehrleute setzen ihr Leben ein, um mit einfachsten Mitteln die Folgen außer Kontrolle geratener Hochtechnologie zu mindern.
Deutschlands Supergau war der 2. Weltkrieg. Opfer des Nationalsozialismus waren am Ende nicht nur die überfallenen Länder und die Millionen ermordeter Juden und Flüchtlinge jenseits von Oder- und Neiße, sondern auch die deutschen Kindersoldaten. Der gegenwärtige Papst gehört auch zu den Überlebenden dieses letzten Aufgebotes.
Dieter Hoppe berichtete über seinen Bruder. Von Amerikanischen Soldaten nach der Gefangennahme beraubt, erhielt er noch nicht einmal einen Löffel zur Essensaufnahme. Aus einer leeren Konservendose, die er in der Latrine fand, bastelte er sich einen Löffel.
Hier die Kurzfassung des Berichts von Dieter Hoppe:
Nach seiner Gefangennahme Ende April 1945 wurde mein Bruder (Oskar Hoppe) schon im Gefangenenlager von einem GI mit dem Gewehrkolben niedergeschlagen und seines Essgeschirrs mit Besteck beraubt.
Nach Eisenhowers These war mein Bruder ja nicht einmal ein Gefangener sondern „disarmed enemy forces“. Ein Heinrich Himmler und Co. waren da ehrlicher, wenn sie sowjetische Kriegsgefangene als Untermenschen bezeichneten. Ohne diesen selbst gefertigten Löffel und einer Dose, die ebenfalls aus der Latrine stammte, hätte mein Bruder seine flüssige und halbfeste Nahrung wie ein Hund vom Boden schlabbern müssen.

Dieser Beitrag wurde unter Geschichte abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.